BERLINER WIRTSCHAFT 03/17
56
UNTERNEHMEN & MÄRKTE
Berlin – ein gutes Pflaster
für smarte Industrie
Viele Mittelständler, eine starke
Gründerszene und mehr als 100
Forschungseinrichtungen bieten
ein attraktives Umfeld für
Industrie 4.0
»
Von Daniel Hönow
D
urch Industrie 4.0, die Digi-
talisierung der Produktion,
können erhebliche Produk-
tivitätssteigerungen erzielt
werden: Neue smarte Geschäftsmodel-
le, innovatives Maschinen- und Anla-
genleasing oder maßgeschneiderte Ser-
viceangebote erfahren durchVernetzung
und Big-Data-Analysen eine neue Qua-
lität. Intelligente Logistik minimiert den
Lagerbedarf. Fertigung und produktions-
nahe Dienstleistungen verschmelzen zu
einer Branche.
Mit der Digitalisierung verschwim-
men die Grenzen zwischen Business-
to-Business und Business-to-Consumer:
Industrie rückt näher an den städtischen
Kunden. Der Bedarf, urban zu produzie-
ren, wächst. Das schafft kurze nachhaltige
Lieferketten und hilft bei der Kostenkal-
kulation. An vielen Orten geht schon heu-
te effiziente Kleinfertigung im 3D-Druck
in Serie. Begleitet wird der Trend von der
Entwicklung schonender Materialien und
neuen Verfahren der „grünen“ Chemie.
In Berlin findet smarte Industrie gu-
te Voraussetzungen. Mehr als 100 For-
schungseinrichtungen, eine starke Grün-
derszene und viele Mittelständler bilden
ein attraktives Umfeld für Unternehmen
und Fachkräfte. Die Stadt verfügt über ei-
ne gewachsene Mischung ausWohn- und
Gewerbeflächen mit kurzen Wegen und
gestaltbaren Freiflächen.
Politisch bleibt für den neuen Senat
dennoch einiges auf der Agenda: Digita-
lisierung bedeutet Speed, dem auch die
Verwaltung standhalten sollte. Hier be-
THOMAS
DREUSICKE
India-Dreusicke
Mitglied des
IHK-Kompetenz-
teams Mittelstand
„
Smart City ist für mich,
wenn ich in der Stadt
produzieren kann.“
„In einer Metropole wie Berlin brauchen wir Vielfältigkeit in den
Nutzungen. Hierzu gehört die Industrie, ohne die die wirtschaftliche
Entwicklung Berlins auch zukünftig nicht denkbar ist. Durch neue
technische Möglichkeiten in der Produktion, aber auch an Gebäuden,
lassen sich Konflikte mit anderen Nutzungen vermeiden. Gerade die
innovative Industrie-4.0-Produktion gibt uns die Möglichkeit, die Stadt
neu zu denken und im Stadtquartier Industrie, Kreativität und Wohnen
zu verbinden. Dagegen stehen veraltete baurechtliche Rahmenbe-
dingungen, wenig innovationsoffenes Verwaltungshandeln, zu wenig
Bandbreite/WLAN und oft eine überholte Genehmigungspraxis.“
„Innovativ, interaktiv,
intelligent“ - eben smart
Positionspapier der IHK Berlin benennt
Handlungsvorschläge
INFO
Das Positionspapier
formuliert die wich-
tigsten Handlungsvorschläge aus Sicht der
Wirtschaft, um die Debatte für eine smarte
Stadt zu beleben und Politik und Verwaltung
aufzufordern, die notwendigen
Schritte zu unternehmen.
Mehr Informationen unter:
www.ihk-berlin.de/smart-citysteht sowohl bei der technischen Aus-
stattung als auch beim Personalma-
nagement großer Modernisierungsbe-
darf. In „Testbeds“ müssen außerdem
Industrie-4.0-Experimente ermöglicht
werden. Nach einer erfolgreichen Test-
phasewerden genügend Räume und Flä-
chen gebraucht, um Ideen zur Produk-
tionsreife zu führen. Nicht zuletzt muss
dabei das Nebeneinander von Produkti-
on und Wohnen konfliktfrei organisiert
werden.
Neue urbane Produktion, Großraum
Stuttgart: Im Zentrum Fellbachs wurde
direkt neben eine Passivhaussiedlung eine
sogenannte Schaufensterfabrik gebaut. Die
Smart Factory dient als Erprobungsstätte
für innovative Industrie-4.0-Konzepte zu
neuen Arbeitsformen, interner und externer
Vernetzung sowie Wertschöpfungsketten
auf engstem Raum. Mehr Best Practices
im Internet unter
www.ihk-berlin.de/smart-city.
‹
BW
Industrie 4.0
SMART CITY BERLIN
Smart Factory im Zentrum Fellbachs
FOTOS: AMIN AKHTAR/IHK BERLIN, WITTENSTEIN AG




