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BERLINER WIRTSCHAFT 03/17

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UNTERNEHMEN & MÄRKTE

Berlin – ein gutes Pflaster

für smarte Industrie

Viele Mittelständler, eine starke

Gründerszene und mehr als 100

Forschungseinrichtungen bieten

ein attraktives Umfeld für

Industrie 4.0

»

Von Daniel Hönow

D

urch Industrie 4.0, die Digi-

talisierung der Produktion,

können erhebliche Produk-

tivitätssteigerungen erzielt

werden: Neue smarte Geschäftsmodel-

le, innovatives Maschinen- und Anla-

genleasing oder maßgeschneiderte Ser-

viceangebote erfahren durchVernetzung

und Big-Data-Analysen eine neue Qua-

lität. Intelligente Logistik minimiert den

Lagerbedarf. Fertigung und produktions-

nahe Dienstleistungen verschmelzen zu

einer Branche.

Mit der Digitalisierung verschwim-

men die Grenzen zwischen Business-

to-Business und Business-to-Consumer:

Industrie rückt näher an den städtischen

Kunden. Der Bedarf, urban zu produzie-

ren, wächst. Das schafft kurze nachhaltige

Lieferketten und hilft bei der Kostenkal-

kulation. An vielen Orten geht schon heu-

te effiziente Kleinfertigung im 3D-Druck

in Serie. Begleitet wird der Trend von der

Entwicklung schonender Materialien und

neuen Verfahren der „grünen“ Chemie.

In Berlin findet smarte Industrie gu-

te Voraussetzungen. Mehr als 100 For-

schungseinrichtungen, eine starke Grün-

derszene und viele Mittelständler bilden

ein attraktives Umfeld für Unternehmen

und Fachkräfte. Die Stadt verfügt über ei-

ne gewachsene Mischung ausWohn- und

Gewerbeflächen mit kurzen Wegen und

gestaltbaren Freiflächen.

Politisch bleibt für den neuen Senat

dennoch einiges auf der Agenda: Digita-

lisierung bedeutet Speed, dem auch die

Verwaltung standhalten sollte. Hier be-

THOMAS

DREUSICKE

India-Dreusicke

Mitglied des

IHK-Kompetenz-

teams Mittelstand

Smart City ist für mich,

wenn ich in der Stadt

produzieren kann.“

„In einer Metropole wie Berlin brauchen wir Vielfältigkeit in den

Nutzungen. Hierzu gehört die Industrie, ohne die die wirtschaftliche

Entwicklung Berlins auch zukünftig nicht denkbar ist. Durch neue

technische Möglichkeiten in der Produktion, aber auch an Gebäuden,

lassen sich Konflikte mit anderen Nutzungen vermeiden. Gerade die

innovative Industrie-4.0-Produktion gibt uns die Möglichkeit, die Stadt

neu zu denken und im Stadtquartier Industrie, Kreativität und Wohnen

zu verbinden. Dagegen stehen veraltete baurechtliche Rahmenbe-

dingungen, wenig innovationsoffenes Verwaltungshandeln, zu wenig

Bandbreite/WLAN und oft eine überholte Genehmigungspraxis.“

„Innovativ, interaktiv,

intelligent“ - eben smart

Positionspapier der IHK Berlin benennt

Handlungsvorschläge

INFO

Das Positionspapier

formuliert die wich-

tigsten Handlungsvorschläge aus Sicht der

Wirtschaft, um die Debatte für eine smarte

Stadt zu beleben und Politik und Verwaltung

aufzufordern, die notwendigen

Schritte zu unternehmen.

Mehr Informationen unter:

www.ihk-berlin.de/smart-city

steht sowohl bei der technischen Aus-

stattung als auch beim Personalma-

nagement großer Modernisierungsbe-

darf. In „Testbeds“ müssen außerdem

Industrie-4.0-Experimente ermöglicht

werden. Nach einer erfolgreichen Test-

phasewerden genügend Räume und Flä-

chen gebraucht, um Ideen zur Produk-

tionsreife zu führen. Nicht zuletzt muss

dabei das Nebeneinander von Produkti-

on und Wohnen konfliktfrei organisiert

werden.

Neue urbane Produktion, Großraum

Stuttgart: Im Zentrum Fellbachs wurde

direkt neben eine Passivhaussiedlung eine

sogenannte Schaufensterfabrik gebaut. Die

Smart Factory dient als Erprobungsstätte

für innovative Industrie-4.0-Konzepte zu

neuen Arbeitsformen, interner und externer

Vernetzung sowie Wertschöpfungsketten

auf engstem Raum. Mehr Best Practices

im Internet unter

www.ihk-berlin.de/

smart-city.

BW

Industrie 4.0

SMART CITY BERLIN

Smart Factory im Zentrum Fellbachs

FOTOS: AMIN AKHTAR/IHK BERLIN, WITTENSTEIN AG