MEINUNG & MACHER
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BERLINER WIRTSCHAFT 02/17
U
nternehmer, die sich in der
Vollversammlung der IHK
engagieren, können in ei-
nem starken Netzwerk viel
bewegen, meint Johannes Altenwerth.
Wer nicht für das Gremium kandidieren
möchte, sollte zumindest wählen. Denn
so können Kandidaten zum Zuge kom-
men, die der eigenen Firma nahe stehen.
Berliner Wirtschaft:
Herr Altenwerth, Sie
sind heute Vorsitzender des Wahlausschus-
ses, früherwaren Sie selbst Mitglied derVoll-
versammlung.Warum sollten Unternehmer
für das Gremium kandidieren?
Johannes Altenwerth:
DieVollversamm-
lung ist eine großartige Chance, sich als
Unternehmer aktiv einzubringen, um et-
was für die BerlinerWirtschaft zu bewe-
gen. Ich kann als Vollversammlungsmit-
glied Themen, die meine Branche betref-
fen, sehr prominent platzieren und dafür
sorgen, dass sie in diesem Gremium be-
handelt werden und möglicherweise
auch eine entsprechende Entscheidung
getroffen wird. Also: Wenn ich in der
Berliner Wirtschaft etwas bewegen will,
dann sollte ich dieses Netzwerk der IHK
auch nutzen und mich aktiv beteiligen.
Viele Unternehmer scheuen aus Zeitgründen
solche Aufgaben. Zu Recht?
Das Argument, keine Zeit zu haben, wird
häufig vorgeschoben. Aber ich glaube,
der Zeitfaktor ist auch an dieser Stel-
le beherrschbar. Es sind ja nur vier Ter-
mine im Jahr, zu denen sich die Vollver-
sammlung trifft.
Mit diesen vier Terminen ist es getan?
Theoretisch ist es damit getan, wennman
die Vor- und Nachbereitung mitberück-
sichtigt. Aber das ist für mich die fal-
sche Einstellung. Ich betrachte die Voll-
versammlung als wichtiges Netzwerk.
Und Netzwerk-Arbeit hört nicht nach
vier Terminen auf. Es gibt zum Beispiel
auch die Möglichkeit, in verschiedens-
ten Arbeitskreisen mitzumachen. Das
muss jeder für sich selbst entscheiden.
Vom Zeitmanagement her lässt sich das
einrichten. Ich meine, ein Unternehmer
profitiert sehr stark von dieser Arbeit.
Warum?
Zum Beispiel durch die Vollversamm-
lungssitzungen: Ich kriege dort sehr viel
mit – auch zu Themen, die über mei-
ne eigene Branche hinausgehen und die
eher eine gesamtwirtschaftliche Bedeu-
tung haben. Ich bin hautnah dran und er-
lebe mit, wie Initiativen aus der Unter-
nehmerschaft heraus geboren werden
und später in der Politik im günstigs-
ten Fall für ein Umdenken und für Re-
formen sorgen.
Geht es nur um Politik?
Nein, nicht nur. Die IHK hat auch hoheit-
liche Aufgaben verschiedenster Art. Auch
darüber wird in der Vollversammlung
und in den Ausschüssen gesprochen.
Ausbildung ist zum Beispiel ein wichti-
ges Thema. Auch zu Aufgabenstellungen
rund umdenAußenhandel kann die IHK
unterstützen. Es gibt ja Vertretungen in
vielen Ländern, die ähnlich gestaltet sind
wie unsere IHKs. Zu denen bestehen oft-
mals Kontakte. Die Kammer kann hier
als Türöffner fungieren.
Wie sind Sie persönlich zu Ihrem Engage-
ment für die Kammer gekommen?
Das war 2004. Ich war im Vorstand der
Berliner Volksbank. Ein Kollegewar Mit-
glied der Vollversammlung, bevor er in
den Ruhestand ging. Er hatte mich ge-
fragt, ob ich nicht kandidieren will. Und
weil mir Themen aus der Berliner Wirt-
schaft immer sehr am Herzen lagen, ha-
be ich das gemacht. Ich bin dann in mei-
nerWahlgruppe, die damals Banken und
Versicherungen hieß, gewählt worden.
Auch in der Etat-Kommission, die den
Haushalt der IHK vorbereitet, habe ich
mich engagiert. Heute bin ich noch im
Anlageausschuss, der sich mit der Anla-
ge der Gelder, die der IHK zur Verfügung
stehen, beschäftigt.
Gab es Themen, für die Sie sich besonders
engagieren wollten?
Ja, ich habe schon immer ein besonde-
res Verhältnis zum Mittelstand gehabt –
für den wollte ich etwas tun. Insbeson-
dere deshalb, weil wir im altenWestber-
lin nicht den breiten Mittelstand hatten,
den es in anderen Ländern der Bundes-
republik gab. Und ein bisschen mitzu-
arbeiten, damit wir hier auch einen ge-
sunden Mittelstand bekommen, das hat
mich sehr gereizt. So ist dann eben auch
mein Interesse für die Arbeit in der IHK
geweckt worden.
Haben Sie das Gefühl, dass Unternehmer
über die Vollversammlung der IHK etwas
bewegen können?
Ja, da kann man was bewegen. Die Voll-
versammlung ist eine wichtige Institu-
tion für die Berliner Wirtschaft. Und die
IHK insgesamt ist ein wichtiges Netz-
werk. Die Vollversammlung hat ja rund
100 Mitglieder. Es sind alle Branchen ver-
treten. Ich glaube, über diesenWeg kann
man ganz anders seine Belange einbrin-
gen, als wennman das als Einzelkämpfer
versuchen würde. Und für mich ist sehr
wichtig: Die IHK ist an keine Partei ge-
bunden. Wenn es umDinge geht, die der
BerlinerWirtschaft gut tun, geht das über
alle Parteien hinweg. So können gerade
kleine Firmen gestärkt werden. »
Johannes Altenwerth sorgt für den ordnungsgemäßen Ablauf der
Wahl zur Vollversammlung der IHK Berlin. Schon zum zweiten Mal
stellt er sich für das Amt zur Verfügung.
»
Von Michael Gneuss
„Die Herzkammer
der IHK Berlin“
INTERVIEW DES MONATS
FOTO: CHRISTIAN KIELMANN




