Berliner Wirtschaft 6/2018
NEUE UNTERNEHMEN & MÄRKTE 59 BERLINER WIRTSCHAFT 06/18 Wir hatten viele Ideen – vom autonom fahrenden Abfallfahrzeug bis hin zur Tonne, die uns sagt, wann sie voll ist und welche Stoffe sie enthält. Wir mussten aber schnell feststellen, dass wir mit digitalen Themen keine Erfahrungen haben. SUSANNE NITZSCHE Leiterin des Alba InnovationLab ßen Stahlwerk. Der Markt dafür ist riesig: Allein in Deutschland werden jedes Jahr mehr als 20 Mio. Tonnen Eisenschrot- te und Buntmetalle gehandelt. Die App ermöglicht den Kauf per Festpreis oder per Auktion, auch Preisverhandlung und Zahlung werden über die App geregelt. Scrappel agiert unabhängig von ALBA Alba entließ das Unternehmen direkt nach der Gründung in die Eigenstän- digkeit. „Scrappel agiert am Markt voll- kommen unabhängig von der Alba Group und konkurriert sogar mit einem Teil unseres Kerngeschäfts“, sagt Car- la Eysel, Chief Digital Officer bei Alba. „Wir rechneten im Schrotthandel mit einer disruptiven Entwicklung und wollten diese lieber selbst gestalten. Das Team ist extrem schnell und fokussiert unterwegs.“ Eysel begleitete die Zusammenarbeit mit #openspace von Anfang an. Um den Wandel im Unternehmen ganzheitlich zu gestalten, ist es ihr wichtig, auch die Belegschaft von den anstehenden Schrit- ten zu überzeugen. Während die Mehr- heit der Kollegen vor allem eine Chance erkennt, mit neuen Modellen den Markt mitzugestalten, fürchten andere um ihre Jobs. „Hier ist es unsere Aufgabe, mög- lichst vielen Kollegen zu zeigen, dass Veränderung und Gestaltung uns stärker machen, als darauf zu warten, was Wett- bewerber tun“, so Eysel. Dabei verspricht der Blick über den Tellerrand Lösungen, die im eigenen Be- trieb vermutlich nicht gefunden worden wären. Auf diesemWeg ist auch die Fra- ge hilfreich, wie wohl Unternehmen aus anderen Bereichen agierenwürden. „Was würde ein digitaler Handelskonzern wie Amazon an unserer Stelle tun? Oder ein Gründer, der Marktauftritt, Prozesse und Organisation frei modellieren kann?“, fragt Eysel. „Die digitale Unternehmens- zukunft lässt sich aber nicht outsourcen. Entscheidungen und Veränderungspro- zesse müssen selbst in die Hand genom- men werden“, ist ihre Erfahrung aus den ersten eineinhalb Jahren der Alba-Digi- talisierungsoffensive. START-UP NEWS GESUNDHEITSBRANCHE Neues Lab für Start-ups Im Haus der Wirtschaft hat das neue Health Reality Lab Network seine Türen geöffnet. Das vomBun- deswirtschaftsministerium geför- derte Projekt will alle Akteure im Gesundheitsbereich besser ver- netzen. Start-ups können hier mit Leistungserbringern, Krankenkas- sen und Arbeitgebern ihre Produk- te auf Akzeptanz und Wirtschaft- lichkeit in der Versorgungspraxis testen. Dadurch sollen Start-ups die Möglichkeit erhalten, ihre innova- tiven Lösungen schneller für den deutschen wie europäischen Markt fit zu machen. ‹ HAN Am 12. Juli findet in der IHK Ber- lin eine Matching-Veranstaltung des Business Angels Club Ber- lin-Brandenburg statt. Start-ups können hier vor Business Angels pitchen, direktes Feedback von ih- nen erhalten und sie als Unterstüt- zer für ihr Vorhaben gewinnen. Das Start-up-Team der IHK Berlin ver- gibt zwei Wildcards an B2B-Start- ups, die pitchen wollen, sowie we- nige exklusive Zuschauerplätze. Mehr Informationen unter: www. ihk-berlin.de/matching ‹ HAN BACBMatching BUSINESS ANGELS Health Reality Lab Network eröffnet Durch die Zusammenarbeit entstanden drei Säulen, auf denen Albas Innovati- onsvorhaben stehen sollen: • ImRahmen einer langfristig angelegten Smart-City-Strategie arbeiten interne Kräfte zusammen mit externen Part- nern daran, Alba zum Treiber neuer, in- telligenter Städtevisionen zu machen. • Das InnovationLab ist Zentrum zur Entwicklung neuer Ideen. Das Team un- terstützt die Fachbereiche bei deren Di- gitalstrategie, baut Technologiekompe- tenz im Unternehmen auf und pflegt die Beziehungen zum digitalen Ökosystem außerhalb der Alba Group. • Konkrete digitale Geschäftsmodelle sollen das Kerngeschäft ergänzen und autark am Markt agieren. Es gibt auch bereits ein ganz kon- kretes Produkt, das aus der Zusammen- arbeit von Alba und #openspace hervor- gegangen ist: „Scrappel“, eine App für den Schrotthandel. Lediglich acht Mo- nate hat die Entwicklung der App ge- dauert, die im April online gegangen ist und als Marktplatz für An- und Verkauf von Schrott und Metallen fungiert. Ziel- gruppe sind professionelle Händler – vom kleinen Schrottplatz bis zum gro- FOTO: BBW BILDUNGSWERK DER WIRTSCHAFT
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