Berliner Wirtschaft Oktober 2025

Quelle: Industrie- und Handelskammer zu Berlin in Tausend 2015 2025 2030 2020 150 120 90 60 35 2035 Ist-Wert Verhältnis unbesetzte Stellen zur Erwerbstätigenzahl Basisprojektion Ist-Wert Basisprojektion – wie Digitalisierung, Industrie 4.0 oder geopolitische Entwicklungen – und somit Annahmen über den zu erwartenden Fachkräftebedarf bis 2035 ermöglicht. Laut Fachkräftemonitor bleiben heute schon etwa 45.000 Arbeitsstellen unbesetzt. Der Fachkräftemangel in der Hauptstadt wird sich in den kommenden Jahren deutlich verschärfen, denn bis 2035 werden voraussichtlich über 412.000 sozialversicherungspflichtige Beschäftigte in Rente gehen. Die IHK Berlin rechnet damit, dass die Zahl der unbesetzten Stellen bis 2035 auf über 163.000 ansteigen könnte und sich somit mehr als verdreifacht. Trotz aktueller konjunktureller Schwächen und geopolitischer Unsicherheiten zeigt der Fachkräftemonitor klar: Der Arbeitskräftebedarf bleibt hoch. Bis 2035 müssen mehr als 435.000 frei werdende und neu entstehende Arbeitsplätze für sozialversicherungspflichtige Beschäftigte besetzt werden. Gut 23.000 Arbeitsplätze hiervon werden neu aufgebaut. Besonders betroffen sind Berufe in der Unternehmensführung und -organisation, der Informatik-, Informations- und Kommunikationstechnologie sowie die medizinischen Gesundheitsberufe. Allein im Bereich der Unternehmensführung und -organisation werden bis 2035 voraussichtlich über 22.000 Arbeitsstellen unbesetzt bleiben. Um dem Fachkräftemangel zu begegnen, müssen die vorhandenen Potenziale auf dem Arbeitsmarkt gestärkt werden. Eine höhere Erwerbstätigkeit von Frauen in Vollzeit und ein längerer Verbleib von älteren Beschäftigten im Berufsleben können den Arbeitsmarkt entlasten. Hierfür sind gezielte arbeitsmarktpolitische Maßnahmen notwendig: Der Betreuungsausbau für Kinder und pflegebedürftige Angehörige ist ebenso wichtig wie die Überprüfung und Abschaffung von Anreizen für einen vorzeitigen Rückzug aus dem Erwerbsleben. Mehr Wertschätzung für Ausbildung Darüber hinaus sollte die berufliche Ausbildung gestärkt werden. Anstelle der sogenannten Ausbildungsplatzumlage braucht es bessere Rahmenbedingungen für die Ausbildung. Die Leistungen von Auszubildenden und Ausbildungsbetrieben verdienen mehr Wertschätzung und Anerkennung. Berufsschulen müssen stärker in den politischen Fokus rücken – ebenso wie eine praxisnahe und flächendeckende Berufsorientierung an allen Schulformen. Damit Beschäftigte länger am Arbeitsmarkt partizipieren können, sind mehr Investitionen in Weiterbildung und QualiJennifer Keßling, IHK-Public-Affairs- Managerin Arbeitsmarktpolitik Tel.: 0151 / 59 92 62 08 jennifer.kessling@ berlin.ihk.de fizierung nötig – insbesondere für gering qualifizierte und ältere Arbeitskräfte. Qualifizierte Zuwanderung bleibt unerlässlich, um den Fachkräfteengpass abzuschwächen. Die von der Bundesregierung geplante Work-andStay-Agentur zur Zentralisierung und Digitalisierung aller Erwerbsmigrationsverfahren kann einen wichtigen Beitrag zur effizienten Fachkräfteeinwanderung leisten. Wichtig ist, dass die Erwerbsmigrationsverfahren beschleunigt und entbürokratisiert werden. Ein Tech-Visum nach französischem Vorbild für IT-Fachkräfte könnte eine Maßnahme zur Vereinfachung der Fachkräfteeinwanderung sein. Kleine und Kleinstunternehmen brauchen mehr Unterstützung bei der Fachkräfteeinwanderung, weil sie ansonsten im Wettbewerb abgehängt werden könnten. Bezahlbaren Wohnraum schaffen Damit ausländische Fachkräfte dauerhaft in der Hauptstadtregion bleiben, muss Berlin seine Attraktivität als Wohn- und Arbeitsort steigern. Neben einer ausgeprägten Willkommenskultur müssen hierfür bekannte Probleme wie der Mangel an bezahlbarem Wohnraum, die träge Verwaltung, der Sanierungsstau im öffentlichen Nahverkehr und auf den Straßen sowie der Mangel an Schulplätzen und Lehrkräften angegangen werden. Die Fachkräftestrategie für Berlin sollte diese Erkenntnisse zur Grundlage nehmen und daraus geeignete Maßnahmen ableiten, damit die Spreemetropole nicht an Anziehungskraft verliert. ■ Weitere Einblicke Der IHK-Fachkräftemonitor bietet umfassende Infos zur Situation am Arbeitsmarkt. Bitte den QR-Code scannen: Berliner Wirtschaft steuert auf Engpass zu Laut Prognose klaffen der Bedarf und die Zahl der zur Verfügung stehenden Fachkräfte immer stärker auseinander, absolute Zahlen VISUALISIERUNG: GETTY IMAGES/HANOHIKI; GRAFIKEN: BW (QUELLEN: IAB-STELLENERHEBUNG/BUNDESAGENTUR FÜR ARBEIT, IHK BERLIN) Prognose | 49 Berliner Wirtschaft 10 | 2025

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