Berliner Wirtschaft Oktober 2025

Donuts bestehen normalerweise vor allem aus Mehl, Zucker, Eiern und Milch. Damit sind sie weit weg von vegan. Es sei denn, man verzehrt seine süße Versuchung bei Brammibal’s Donuts. Die gleichnamige GmbH haben Jessica Jeworutzki und der gebürtige Niederländer Bram van Montfort vor neun Jahren gegründet und den ersten Laden am Neuköllner Maybachufer eröffnet. Von Anfang an haben die überzeugten Veganer nur pflanzenbasierte Donuts angeboten. „Wir wollten beweisen, dass vegan richtig lecker sein kann“, sagt Geschäftsführerin Jessica Jeworutzki. Umsatzstark am Hauptbahnhof Offenbar ist das gelungen. Denn bei dem ersten Café am Landwehrkanal, dem nach eigenen Angaben „ersten veganen Donut-Shop in Europa“, ist es nicht geblieben. Mittlerweile beitreibt das Unternehmen neun Standorte in Berlin, der neueste, in der Schloßstraße in Steglitz, wurde Ende Juli eröffnet. Dazu kommen fünf Filialen in Hamburg. Der bislang entscheidendste Meilenstein aber war die Eröffnung eines Shops am Berliner Hauptbahnhof Ende 2024. Keine Frage: Die Miete ist dort höher als in Neukölln oder Prenzlauer Berg, aber es rechnet sich. Ende letzten Jahres betrug der Umsatz des Berliner Mittelständlers neun Mio. Euro. Für dieses Jahr peilt das Geschäftsführer-Duo zwölf Mio. an. Dazu trägt auch das wachsende Liefergeschäft mit einem aktuellen Umsatzanteil von 20 Prozent bei. Der Haupt-Umsatztreiber ist aber der stark frequentierte Bahnhof mit langen Öffnungszeiten. Und in dieser Liga soll es weitergehen: Nächsten Sommer wird das Paar eine Filiale am Flughafen BER eröffnen. Dabei wird schon heute täglich mit Hochdruck gebacken und verkauft: mindestens 10.000 Donuts pro Tag, alleine in und für Berlin. Noch viel mehr sind es am umsatzstärksten Tag des Jahres: an Silvester. Aktuell 170 Mitarbeitende zählt das Unternehmen, Tendenz steigend. Vor zehn Jahren hätten Jeworutzki und van Montfort selbst nicht mit dieser Entwicklung gerechnet. Geschweige denn in den ganz frühen Anfängen der Unternehmensgeschichte. Diese reichen zurück in die Nullerjahre, als Jeworutzki ein Teenager war. Sie entschied sich im Alter von 15 Jahren für eine vegane Lebensweise, entdeckte die Liebe zum Backen, stellte in der heimischen Küche Donuts ohne tierische Produkte her und verkaufte diese auf Musikfestivals und Märkten. Bei einem Konzert lernte sie den Studenten und Musiker Bram van Montfort kennen – gleichfalls Veganer. Er war gerade nach Berlin gezogen, weil der vegane Lebensstil in der Großstadt leichter umzusetzen ist. Die beiden wurden ein Paar. Zu einer Party von Freundinnen und Freunden brachten sie Jeworutzkis Donuts mit, die so begeistert angenommen wurden, dass die beiden sich entschlossen, aus dem Backen ein Business zu machen. Mit rund 20.000 Euro Ersparnissen, die vor allem aus dem nebenberuflichen Verkauf der Donuts herrührten, eröffneten sie ihren ersten Laden in Neukölln. Und der kam gut an. Vegane Donuts waren damals noch nicht auf dem Markt. Der Erfolg ist aber auch auf die geheime und in vielen Versuchen ausgeklügelte Rezeptur zurückzuführen. Vor allem sei Handwerkskunst gefragt, zudem seien die Zutaten entscheidend. Frisch müssen sie sein, sagt die heute 33-Jährige. „Wir verwenden keine Convenience-Produkte, sondern nur frische.“ In der eigenen Bäckerei in Neukölln arbeiten auf 1.000 Quadratmetern mittlerweile 48 Angestellte, stellen Donuts mit Blaubeeren, Mangocreme oder Haselnuss her – und den Klassiker „Charity Donut“ mit Erdbeerglasur und Streuseln, von dessen Verkaufspreis 50 Cent gespendet werden. In Hamburg wird im Übrigen ebenfalls in einer eigenen Konditorei gebacken und anschließend frisch ausgeliefert. Aber nicht nur aufgrund der eigenen Herstellung kann das Unternehmen expandieren. Seife als Abfallprodukt Von Beginn an wurde konsequent auf Nachhaltigkeit gesetzt – und dies auch kommuniziert. Vor drei Jahren verfasste das Duo einen 72-seitigen „sustainability report“, einsehbar auf der Website. Jeder Prozess und jedes Vorprodukt werden auf Nachhaltigkeit überprüft, Schwachstellen optimiert. „Die schlimmsten Emissionen verursachte unser Frittieröl“, sagt Jeworutzki. „Das hat uns überrascht.“ Seit geraumer Zeit sorgt eine moderne Siedebackanlage für eine bessere Filterung, sodass das Öl länger benutzt werden kann und der CO2-Fußabdruck geringer wird. Und als besonderen Clou lässt das innovative Unternehmerpaar das alte Fett recyceln und Seifen daraus pressen. Der Name des Unternehmens Brammibal’s ist übrigens abgeleitet vom Vornamen des Mitgründers Bram van Montfort, es war sein Spitzname in einem Messenger. Auch das war wohl eine gute Idee. ■ Simone Blömer, IHK-Key-Account- Managerin Handel, Tourismus und Gastgewerbe Tel.: 030 / 315 10-432 simone.bloemer@ berlin.ihk.de Wir wollten beweisen, dass vegan richtig lecker sein kann. Jessica Jeworutzki Geschäftsführerin Brammibal’s Donuts GmbH FOTOS: BRAMMIBAL’S DONUTS Gastronomie | 31 Berliner Wirtschaft 10 | 2025

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