Berliner Wirtschaft Oktober 2025

Deutsch ist Bestandteil der Projektidee von TalentsBridge. Und das ist ganz wichtig für uns, weil wir im Handel ja keine stummen Arbeitsplätze haben. Wir treffen jeden Tag auf Kundinnen und Kunden, die wir auch beraten wollen. Speziell im Lebensmitteleinzelhandel sind es häufig eher kurze Fragen, die uns erreichen: Wo stehen die Eier? Warum wird die Pfandflasche im Leergutautomaten nicht angenommen? Wenn man gar kein Deutsch kann, ist es natürlich kaum möglich, bei uns zu arbeiten. Aber so wie wir Einzelhändler ticken, ist Sprache gar nicht das wichtigste Kriterium. Wie ticken Einzelhändler denn? Wir Kaufleute, die sich im Handel selbstständig machen, haben Spaß daran, etwas zu verkaufen. Es bereitet uns viel Freude, unser Sortiment zu präsentieren, mit Kunden in Kontakt zu kommen. Wir lieben die Waren und freuen uns, wenn sie von den Menschen, die zu uns in die Läden kommen, auch angenommen werden. Und diese Freude an Beratung und Verkauf sowie dem Umgang mit der Ware erwarten wir Kaufleute dann auch von unseren Mitarbeitern. Und dann ist Sprache nicht alles. Richtig. Wer lernwillig ist und mit einer guten Basis an Sprach-Vorkenntnissen kommt, wird sich gut in unserer Branche einfinden können. Letztlich kommunizieren wir ja auch nicht ausschließlich über die Sprache untereinander oder mit der Kundschaft. Sondern? Verständigungsschwierigkeiten gibt es auch, weil Gestik und Mimik in unterschiedlichen Kulturen verschieden aufgenommen werden. Daraus können vielfältigste Missverständnisse resultieren. Deshalb finde ich es so wichtig und richtig, dass Auszubildende aus Namibia im Projekt früh auf kulturelle Unterschiede hingewiesen werden. TalentsBridge hat diesen Umstand bereits mitgedacht. Aus unserer Erfahrung mit Geflüchteten wissen wir, dass die wirkliche Integration nicht mit einem Deutschkurs zu Ende ist. Wir haben häufig bei ihnen einen gewissen Kulturschock erlebt, weil Menschen in unterschiedlichen Ländern nun einmal unterschiedlich miteinander umgehen und es andere Regeln gibt. Haben Sie Beispiele für Probleme, die aus kulturellen Unterschieden resultieren? Es gibt viele kleine Details in der nonverbalen Kommunikation. Im Handel stellen wir häufiger fest, das in anderen Kulturkreisen ein ganz anderes Verständnis für die Rollen von Mann und Frau vorherrscht. Daher haben wir schon erlebt, dass es Mitarbeitern aus anderen Kulturkreisen schwerfällt, wenn sie Dienstanweisungen von einer vorgesetzten Frau befolgen sollen. Bei TalentsBridge können unsere Werte und kulturellen Gegebenheiten in Deutschland sehr früh zur Sprache gebracht werden. Grundsätzlich glaube ich, dass solche Projekte ganz einfach auch als Verständigung zwischen Ländern und Kulturen wichtig sind. Engagieren Sie sich über die Kommunikation hinaus auch für TalentsBridge? Ich denke, die Kommunikation hat jetzt Priorität für uns. Ansonsten halte ich das Projekt, wie gesagt, für sehr spannend und zukunftsweisend: Wir werden sehen, was funktioniert und was vielleicht nicht so gut funktioniert. Wir sind bereit, bei allem mitzudenken und mitzuwirken, um einen Erfolg daraus zu machen. Die Grundidee ist gut und leicht zu kommunizieren: Es geht darum, Menschen in Namibia nach deutschen Standards einen Berufsabschluss zu ermöglichen – inklusive Deutschkursen und Vorbereitungen auf unsere Kultur und Werte. Ich bin gespannt auf die Erfahrungen, die wir im Detail machen werden. Björn Fromm: Wir lernen in den Märkten stetig dazu, wie wir in den Märkten kulturelle Unterschiede besser managen können Gut vernetzt Kontakt zu Björn Fromm auf LinkedIn über den QR-Code: Ich finde es wichtig und richtig, dass Auszubildende aus Namibia im Projekt früh auf kulturelle Unterschiede hingewiesen werden. Björn Fromm FOTO: AMIN AKHTAR Berliner Wirtschaft 10 | 2025

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