eine ausgeprägte Motivation, interkulturelle Kompetenzen und das erforderliche Sprachniveau mitbringen.“ Er sehe darin eine echte Win-win-Situation: „Durch unsere Investition in die Fachkräfte von morgen gewinnen wir engagierte und international erfahrene Talente – die Verbindung von deutscher Ausbildung im Heimatland mit gezieltem Sprach- und Kulturtraining ist für mich ein entscheidender Faktor, um die Integration nachhaltig zu stärken und einen wertvollen Beitrag für die wirtschaftliche Zukunft Berlins zu leisten.“ In Berlins Partnerstadt Windhoek, der Hauptstadt Namibias im Südwesten Afrikas, entsteht gerade das TalentsBridge-Ausbildungszentrum für junge Namibierinnen und Namibier, die ab 2026 eine hochwertige und praxisorientierte Ausbildung nach deutschen Standards durchlaufen können – gestartet wird mit 100 Azubis, später können es bis zu 3.000 werden. Der Campus mit Schule, Werkstätten, ausbildenden Unternehmen und Unterkünften wäre dann das größte deutsche Berufsbildungsprojekt in Afrika. TalentsBridge wird unterstützt von der namibischen Regierung, weil dort weit über 40 Prozent der Jugendlichen arbeitslos sind. Die IHK Berlin übernimmt die inhaltliche Steuerung, die Qualitätskontrolle und die Anerkennung der Abschlüsse. Berliner Unternehmen wirken aktiv an TalentsBridge mit und werden in die Ausbildung und ihre Module eingebunden – möglich sind dabei Praktika, Stipendien oder die Entsendung von Ausbildungspersonal oder sogar die Ansiedlung einer Niederlassung auf dem Campus. Ein geplantes Finanzierungsmodell sieht vor, dass sich Unternehmen an der Ausbildung ihrer zukünftigen Fachkräfte mit einem monatlichen Beitrag beteiligen und dann eine Übernahmepauschale zahlen. „Zurzeit sind wir mit über 100 Unternehmen im Austausch“, heißt es aus der IHK, „so können wir die Ausbildungsgänge passgenau auf den Berliner Arbeitsmarkt abstimmen.“ Ihr Interesse können Betriebe durch einen Letter of Intent signalisieren. Ganzheitlicher Ansatz der TalentsBridge Einen solchen Letter of Intent hat Dieter Mießen bereits unterschrieben, kaufmännischer Leiter der Frisch & Faust Tiefbau GmbH (s. S. 24). Ihn hat der ganzheitliche Ansatz von TalentsBridge überzeugt, weil neben der bedarfsorientierten Fachausbildung die afrikanischen Azubis auch sprachlich und kulturell auf ihre Integration in Berlin vorbereitet werden. Auch der geschäftsführende Gesellschafter der Bäcker Wiedemann GmbH, Alexander Gerstung, will über TalentsBridge neues Personal rekrutieren (s. S. 25). „Hier werden Brücken über kulturelle Unterschiede geschlagen, und der deutsche Spracherwerb erfolgt schon vor Ort und nicht erst hier“, sagt er, Sprache sei schließlich der Grundstein für Teilhabe. Um qualifizierte Zuwanderung erfolgreich zu gestalten, müssten zudem Bildungs- und Ausbildungsabschlüsse schneller anerkannt werden oder wie im Fall der TalentsBridge schon im Heimatland erworben werden. „Dass die bürokratischen Hürden noch sehr hoch sind und die Anerkennung ausländischer Berufsabschlüsse oft noch zu lang dauert, muss sich ändern“, sagt Cansel Kiziltepe, Senatorin für Arbeit, Soziales, Gleichstellung, Integration, Vielfalt und Antidiskriminierung. „Im Senat haben wir gerade eine neue Fassung des Berufsqualifikationsfeststellungsgesetzes beschlossen – wir werden die Verfahren einfacher und transparenter gestalten und deren Dauer verkürzen.“ Ihre Verwaltung unterstütze die Zuwanderung internationaler Fach- und Arbeitskräfte so gut wie möglich: „Wir haben ein modernes Willkommenszentrum an der Potsdamer Straße mit einer hervorragenden Rechts- und Sozialberatung, mein Haus fördert unter anderem das Berliner Jobcoaching für Geflüchtete, die mobile Jobberatung oder das BEMA, das Berliner Beratungszentrum für Migration und Gute Arbeit.“ Auch mit der IHK Berlin, so Senatorin Kiziltepe, arbeite man gut zusammen. Um Berliner Unternehmen bei der Akquise und der Integration ausländischer Arbeitnehmer zur Hand gehen zu können, hat die IHK das neue 163 000 offene Stellen erwartet die IHK Berlin laut ihrem Fach- und Arbeitskräftemonitor bis 2035. 3 000 Azubis sollen perspektivisch im TalentsBridge- Campus in Namibia ausgebildet werden, zum Start sind es 100. 100 Unternehmen stehen zur TalentsBridge im Austausch mit der IHK. Mit einem Letter of Intent bekunden sie Interesse. Windhoek Namibia ILLUSTRATION: ADOBE STOCK/NATALIA KOSAREVICH; FOTOS: AMIN AKHTAR/IHK BERLIN, ANKE ILLING FOKUS | Internationale Fachkräfte | 20 Berliner Wirtschaft 10 | 2025
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