Wie passt das zusammen? Die Nachrichten zu den Berliner Verkehrswegen wechseln in diesem Jahr zwischen alarmierend und ermutigend, die Botschaften oszillieren zwischen „Hilfe: Die Brücken bröckeln!“ und „Das kann Vorbild für ganz Deutschland sein, wenn es darum geht, unsere Infrastruktur zukunftsfest zu machen“. Es lohnt sich also, genauer hinzuschauen. Mit letzterem Zitat lobte der Regierende Bürgermeister, Kai Wegner, die Autobahn GmbH des Bundes für die wirklich schnelle Arbeit an den beiden Ringbahnbrücken des Autobahndreiecks Funkturm. Die hatten im März unverzüglich gesperrt werden müssen, wegen massiver Bauwerksschäden. Für den Berliner Verkehr eine Katastrophe. Auch die darunterliegende Ringbahn musste gesperrt werden. Der Schienenersatzverkehr hatte da kaum eine Chance im Umfeld. Der Wirtschaftsverkehr musste weite Umwege suchen. Dann aber ging es schnell. Die Autobahn richtete ad hoc einen Zweirichtungsverkehr auf der A 100 ein, und die Senatsverwaltung organisierte Umfahrungen und nahm dabei auch unverzüglich erarbeitete IHK-Vorschläge auf. Vor allem die schnell verkleinerte U-Bahn-Baustelle der BVG am Kaiserdamm schuf hier Abhilfe. Die große Überraschung war dann allerdings das Tempo, mit dem die beiden maroden Autobahnbrücken abgerissen wurden und alle dafür nötigen Genehmigungen erteilt wurden. Dafür reichten glatt zwei Wochen über Ostern, schon am 28. April konnte der Ringbahnverkehr wieder freigegeben werden. Und dieses Tempo haben die Verantwortlichen, allen voran die Autobahn GmbH des Bundes und die beauftragte Deges GmbH, beibehalten: am 25. August war bereits der Auftrag für den Neubau erteilt. Noch im Oktober werden die ersten Bagger rollen, bereits Mitte 2027 sollen die neuen Brücken dann befahren werden. Das ist wirklich vorbildlich. Dabei sind die beiden Brücken nur ein zentraler Teil des Autobahndreiecks Funkturm mit seinen 25 Brücken, dessen Ersatzneubau schon lange geplant ist. Inzwischen liegt der Planfeststellungsantrag seit über drei Jahren bei der Genehmigungsbehörde. Wird Baurecht erteilt, entsteht das neue Autobahndreieck neben dem alten und integriert die beiden Ringbahnbrücken, bevor das alte Dreieck entfernt wird. Auch die Rudolf- Wissell-Brücke, das ganze Autobahndreieck Charlottenburg und die A 111 durch Reinickendorf warten auf den Baubeginn und werden stark eingeschränkt werden. Schnell ging es ebenfalls an der Wuhlheide, als im Mai eine plötzlich einsturzgefährdete Straßenbrücke innerhalb weniger Tage abgerissen wurde und der Tramverkehr darunter schnell wieder fahren konnte. Verkehrssenatorin Ute Bonde dankte allen Beteiligten für diesen besonderen Kraftakt. Doch für die Zukunft braucht Berlin andere Lösungen. Zu lange wurde die Infrastruktur dem Verfall preisgegeben und viel zu wenig investiert. Hartnäckig hatten die politisch Verantwortlichen die Warnungen aus der Wirtschaft ignoriert. Jetzt müssen in nur einem Jahrzehnt 120 Brücken abgerissen und ersetzt werden. Damit Planung, Genehmigung und Umsetzung diese Notwendigkeit einer Brücke pro Monat erreichen können, müssen jetzt Lehren aus den jüngsten Anstrengungen gezogen werden. Voran geht es auch am Marzahner Knoten Auf dem Programm für 2026 stehen unter anderem bereits die Schönhauser-Allee-Brücke, die Dunckerbrücke, die Neue Gertraudenbrücke und die Köpenicker-Allee-Brücke, allesamt kaum verzichtbar. Voran geht es derweil am sogenannten Marzahner Knoten im Zuge der Landsberger Allee, einem Mammutprojekt, bei dem bis 2029 in neun Phasen zahlreiche Brücken neu gebaut werden. Und weiter nördlich im Bezirk Marzahn konnte der neue Berliner Staatssekretär für Verkehr, Arne Herz, am 4. September gemeinsam mit der Bezirksbürgermeisterin Nadja Zivkovic die neue Wuhletalbrücke dem Verkehr übergeben. Demnächst soll die südliche Blumberger-Damm-Brücke folgen. Es gibt sie also, die Erfolgsmeldungen, an denen man die nächsten Projekte ausrichten kann. Nun gilt es, das nötige Geld bereitzustelBerlin muss viele Brücken bauen und das sehr schnell. Dass dies möglich ist, zeigen aktuelle Beispiele von Dr. Lutz Kaden Vorbildliches Rekordtempo Kai Wegner Regierender Bürgermeister Das kann Vorbild für ganz Deutschland sein, wenn es darum geht, unsere Infrastruktur zukunftsfest zu machen. Dr. Lutz Kaden, IHK-Experte für Verkehr und Mobilität Tel.: 030 / 315 10-415 lutz.kaden@berlin.ihk.de » VISUALISIERUNG: DEGES; FOTOS: PA/DPA/SÖREN STACHE, IMAGO/JANINE SCHMITZ/PHOTOTHEK.DE Infrastruktur | 11 Berliner Wirtschaft 10 | 2025
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