Berliner Wirtschaft Oktober 2021

Zugang zum Wirtschaftsarchiv Die Bestände des Berlin-Brandenburgischen Wirtschaftsarchivs (BBWA) können nach Vereinbarung eingesehen werden. Kontakt und Infos: bb-wa.de Der Architekt Hermann Dernburg entwarf zahlreiche Berliner Industrie- und Verwaltungsbauten, darunter den Sportpalast und die Sarottifabrik von Björn Berghausen (BBWA) Gefragter Baumeister Z wischen der Jahrhundertwende und dem Ersten Weltkrieg gehörte Hermann Dernburg zu den gefragten Architekten der Reichshauptstadt. Von seinen Wer- ken stehen noch heute zwölf in der Landesdenk- maldatenbank, darunter das Landgericht II am Tegeler Weg. Es entstand, als er noch angestellter Regierungsbaumeister in der Verwaltung für Gerichtsbauten war. Geboren 1868 in Darmstadt, studierte er an der TU Berlin und in Karlsruhe, ehe er den letzten Schliff im Atelier des Waren- hausarchitekten Alfred Messel bekam. Die Jahre bis zu seiner Einberufung in das Hessische Landwehr-Regiment Nr. 20 waren Dernburgs produktivste Schaffensperiode. Neben der Hauptverwaltung des Chemiekonzerns Rüt- gerswerke AG an der Lützowstraße, der Verwal- tung der Schultheiß-Patzenhofer-Brauerei AG in Spandau und dem heutigen Narva-Haus 1 für die Auerwerke gehören der Berliner Sportpalast und das neueWerk der Sarotti Chocoladen und Cacao AG amTeltowkanal zu seinenwichtigsten Bauten. Der Sportpalast, als „Hohenzollern-Sport- palast“ anfangs vor allem wegen seiner großen Eislaufbahn eine Attraktion, erlangte größte Berühmtheit durch die berüchtigte Goebbels- Rede vom „Totalen Krieg“ am 18. Februar 1943. Nach dem Krieg für Bockbierfestivals und Kon- zerte genutzt, wich der Sportpalast 1973 einer Wohnbebauung an der Pallasstraße. Mit der Sarottifabrik führte Dernburg 1911/12 einen Großauftrag für den expandierenden Süß- warenhersteller durch, dessen Fabrikation am Mehringdamm bei Weitem zu knapp gewor- den war. Eisenbahn und Teltowkanal boten der Schokoladenfabrik günstige Anschlüsse. Das Gebäude wurde auf quadratischem Grundriss mit zwei Innenhöfen in Stahlskelettbauweise errichtet, dessen Widerstandskraft gegen Feuer sich bei einem verheerenden Brand 1922 erwies. Die moderne Fabrikeinrichtung ermöglichte eine Automatisierung vom Rösten der Kakaobohnen bis zur Verpackung der Tafelschokolade. Bis 2004 wurde hier Schokolade hergestellt. Dernburg wurde 1918 Professor der Preußi- schen Akademie der Künste und verlegte sich auf die Gestaltung von Wohnbauten. Er starb am 15. September 1935 in Zürich. ■ Hermann Dernburg (1868– 1935) war Architekt der 1911/12 gebau- ten Sarottifabrik in Tempelhof. Eisenbahn und Teltowkanal boten der Schokoladen- fabrik günstige Anschlüsse FOTOS: BBWA BRANCHEN | Historie 42 IHK BERLIN  |  BERLINER WIRTSCHAFT 10 | 2021

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