Berliner Wirtschaft Oktober 2021

Roland Sillmann sieht es als eine seiner Aufgaben an, gute Rahmen- bedingungen für den Technologie- park Adlershof zu schaffen und dabei vorherzusehen, was in fünf oder zehn Jahren wich- tig für die Firmen sein wird. Ein Punkt: der Zugang zu Talenten Patrick Schulze, IHK-Geschäftsfeld Wirtschaft & Politik Tel.: 030 / 315 10-226 patrick.schulze@ berlin.ihk.de mobilherstellers Tesla hat dazu viel beigetragen. Ein Unternehmen wie Tesla unterscheidet nicht zwi- schen dem Berliner Stadtgebiet und dem Umland in Brandenburg. Es sieht nur die Metropolregion. Es geht ihm darum, dass der Zugang zu Wissenschaft und Wissen gegeben und der Standort attraktiv für Talente ist. Und natürlich müssen Flächen vorhan- den sein. Immer wichtiger wird auch, dass regene- rative Energien vor Ort nutzbar sind. Warum sind den Firmen regenerative Energien und Klimaneutralität so wichtig? Es ist perspektivisch ganz wichtig für sie, dass sie am Standort CO2-neutral werden können – insbeson- dere, wenn sie imBusiness-to-Business-Bereich tätig sind. Denn andernfalls werden viele Geschäftskun- den bald bei ihnen nicht mehr kaufen. Allein kann aber weder Berlin noch Brandenburg diese ganzen Bedürfnisse der Unternehmen erfüllen. Viele The- men, die uns wirtschaftlich und gesellschaftlich zukunftsfähig machen, werden wir nur mit Bran- denburg gemeinsam lösen. Nur gemeinsam können wir wachsen. Sie sagten, der Verkehr wird das Wachstum in Adlershof stärker begrenzen als die Flächen. Sind die Straßen wirklich schon so verstopft? Heute noch nicht, aber es ist unsere Aufgabe, vor- auszudenken und Probleme zu erkennen, die in fünf oder zehn Jahren auf uns zukommen. Wir haben 2018 zusammen mit dem Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt, das sehr gut in der Verkehrsfor- schung ist, die Entwicklung am Standort Adlershof analysiert. Das Ergebnis war, dass wir hier auf etwa 30.000 Beschäftigte anwachsen können. Heute sind es 22.000 Personen. Ende dieses Jahrzehnts wäre der Punkt erreicht, an dem die Straßen voll sind, sofern wir bis dahin nichts unternommen haben. Die Flä- chen reichen dagegen aus, um 40.000 oder 50.000 Menschen hier zu beschäftigen. Hätte der Verkehr in Adlershof von Anfang an anders geplant werden müssen? Es konnte niemand ahnen, welche Nachverdichtung sich aus den heutigen Arbeitsformen ergibt. Durch Co-Working-Spaces entfallen in Bürogebäuden heute nur noch 13 Quadratmeter auf eine Person. Früher waren es einmal 30 Quadratmeter. Daraus ergibt sich ein enormes Potenzial. Gibt es denn eine so große Nachfrage nach Flächen in Adlershof, dass sie die Beschäftigten- zahl hier verdoppeln können? Die Nachfrage ist ungebrochen. Wir wachsen pro Jahr zwischen sechs und neun Prozent, sowohl beim Umsatz als auch bei den Beschäftigten. Wir kön- nen in diesem Tempo noch 20 Jahre weiterwach- sen. Wir achten aber stark darauf, dass die Firmen, die wir hier ansiedeln, technologisch unseremProfil entsprechen und sie damit einen Mehrwert für den ganzen Standort bringen. Welche Technologie-Sektoren sind für Sie hier am Standort die wichtigsten? Die Optik ist unser bekanntester Technologieschwer- punkt und zusammen mit der IT auch der wich- tigste. Alle IT-Unternehmen sind aber auf das Busi- ness-to-Business ausgerichtet – Blockchain, künst- liche Intelligenz und Cybersecurity sind typische Themen. Außerdemhabenwir den Bereich der rege- nerativen Energien, die Mikrosystemtechnik sowie Biotechnologie und Materialien. Unser Ehrgeiz ist es, einen Beitrag zur Lösung der Grand Challenges, der großen globalen Herausforderungen unserer Zeit, zu leisten. Dafür ist die Entwicklung neuer Materialien enorm wichtig. ■ 33 IHK BERLIN  |  BERLINER WIRTSCHAFT 10 | 2021

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