Berliner Wirtschaft Oktober 2021

Wir glauben, dass es sinnvoll ist, einen Wissens- Korridor von Adlershof nach Cottbus zu definieren. Roland Sillmann SCHWERPUNKT | Interview pendeln. Unsere Firmen hier in Adlershof können ihren Mitarbeitern somit interessante Optionen für verschiedene Lebensphasen anbieten. Junge Talente zum Beispiel ziehen gern zunächst nach Kreuzberg oder Friedrichshain. Wenn sie dann 35 oder 40 Jahre alt sind, Kinder haben und eine kleine Stadt interes- santer finden, bietet sich ein Umzug nach Lübben an, wo wir ihnen Infrastruktur für das Arbeiten bieten. So bleiben sie den Firmen alsWissensträger erhalten. So entsteht in Lübben eine Adlershof-Community. Ja, Lübben weist schon jetzt Gebiete speziell dafür aus. Wir haben die Stadt gezielt ausgewählt. Wir kooperieren auch deshalb mit Lübben, weil die Stadt gute Schulen, eine gute medizinische Versor- gung und viel Lebensqualität bietet. Sonst wäre das Interesse seitens der Mitarbeitenden aus Adlershof auch zu gering. Darüber hinaus ist es für eine Stadt natürlich nicht schlecht, wenn zwei- oder dreihun- dert Akademiker aus Adlershof dort hinziehen und mit ihren Familien dort leben. Gibt es derartige Kooperationen auch mit anderen Städten? Nein, noch nicht. Aber ich kann mir vorstellen, dass wir das auch an anderen Standortenmachenwerden, übrigens nicht nur in Brandenburg, sondern auch in anderen Berliner Bezirken. Warum soll es nicht auch einen entsprechenden Co-Working-Space für Adlershofer Firmen in Pankow geben? Ein anderes sehr interessantes Projekt, in das wir uns gern ein- bringen würden, ist der sogenannte Lausitz Science Park, der in Cottbus entstehen wird. Worum geht es dabei? Über den Strukturhilfefonds fließenmomentan sehr viele Finanzmittel in die Lausitz, was dazu führen wird, dass viele wissenschaftliche Einrichtungen sich in Cottbus ansiedelnwerden – Fraunhofer-Insti- tute zumBeispiel. Für den geplanten Lausitz Science Park soll Adlershof als Vorbild dienen. Wir glauben daher, dass es sinnvoll ist, einen Wissens-Korridor von Adlershof nach Cottbus zu definieren. Was soll in diesem Korridor stattfinden? An beiden Enden des Korridors ist wissenschaftli- che Exzellenz angesiedelt, und zwischendrin können Menschen leben und interessante Industrieunter- nehmen angesiedelt werden – alles innerhalb einer Stunde mit der Bahn erreichbar. Damit haben wir das Potenzial für eine in Europa einzigartige Wis- senschafts- undWissenstransfer-Region. Adlershof ist immerhin Deutschlands erfolgreichster Techno- logiepark, der Lausitz Science Park könnte unter den erfolgreichsten drei sein. In diesem Korridor könnten also noch einmal kleine Technologiepark-Ableger entstehen? Es könnten dort Beschäftigte der Firmen aus den Technologieparks leben und zeitweilig vor Ort in Co-Working-Spaces arbeiten. Dabei werden sich sicherlich auch Netzwerkstrukturen, wie in den Technologieparks, bilden und durch zufällige Begeg- nungen –wie auch imTechnologiepark – Innovati- onen entstehen. Außerdem ergeben sich für Firmen, die eines Tages in Berlin keine neuen Büroflächen mehr finden werden, in diesen Regionen Chancen zum Expandieren. Wie gut arbeiten die Länder Berlin und Brandenburg aus Ihrer Sicht heute schon für die Metropolregion zusammen? Es ist jetzt die Zeit gekommen, in der beide Län- der verstehen: Ein Standortwettbewerb ist zwischen ihnen nicht mehr sinnvoll. Die Ansiedlung des Auto- FOTOS: AMIN AKHTAR

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