Berliner Wirtschaft Oktober 2021
desländern täten ihr Übriges. Um Produktivi- tätspotenziale zu heben und die Wettbewerbs- fähigkeit zu stärken, habe die Metropolregion aus Empfehlungen eines OECD-Gutachtens aus dem Jahr 2019 insgesamt 100 Maßnahmen abgeleitet, die helfen sollen, die Rolle als Motor Norddeutsch- lands weiter auszubauen. Die Träger der Metro- polregion hätten acht Arbeitspakete geschnürt und dazu Arbeitsgruppen gebildet, in die Fach- leute entsandt worden seien, so Köhler. Als obers- tes Gremium habe sich am Ende der Regionsrat mit den Vorschlägen befasst und empfohlen, zehn davon mit Priorität umzusetzen. In Berlin und Brandenburg befürworten vor allem auch die Unternehmen selbst eine engere Kooperation. Wie bei Takeda haben die Standorte von Alstom imBrandenburgischen eine Tradition, die ins vergangene Jahrhundert reicht. Der fran- zösische Zughersteller, der Anfang des Jahres Bombardier Transportation und damit unter anderem auch das Werk in Hennigsdorf übernommen hatte, beschäf- tigt in der Produktion rund 2.100 Mitar- beiter – darunter viele Pendler aus der Hauptstadt – sowie imVertriebmit Sitz am Potsdamer Platz weitere 400 Menschen. In Hennigsdorf produziert Alstom etwa Straßen- und S-Bahnen für die Haupt- stadtregion, aber auch für Skandinavien und andere Auslandsmärkte. „Mit seinem hohen Anteil an gut ausgebildeten Ange- stellten ist Hennigsdorf ein sehr wichti- ger Engineering-Standort für uns“, betont Müslüm Yakisan, Präsident Alstom-Re- gion DACH. Auch die Topologie sei attrak- tiv, weil dort sehr viel Platz für Tests, War- tung und Instandhaltung der großen Fahrzeuge bereitstehe. „Die schiere Größe gibt sehr viel her.“ Zudem punkte Berlin mit einem großen Pool an Fachkräften, seiner exzellenten Hochschullandschaft sowie seinen F&E-Kapazitäten. Wie Takeda-Manager Kurney ist Yakisan überzeugt, dass die Metropol- region sehr viel besser gemeinsam ihre Stärken ausspielen könnte. „Für uns besteht unser Standort immer aus zwei Bundesländern. In Berlin hat man aber vor allem Berlin im Blick und in Bran- denburg vorrangig Brandenburg. Da sehen wir große Schwierigkeiten. Schließlich lebt ein Großteil unserer 2.100 Mitarbei- ter, die in Hennigsdorf arbeiten, mit ihren Familien in Berlin.“ Es könnten Vorteile erzielt werden, wenn man als Metropolregion agieren würde. Die geografischen Trennungen dürften in der Infrastruktur keine negativen Auswir- kungen haben. „Ich habe das Gefühl, dass Ber- lin und Brandenburg eher unter der Trennung leiden, auch wenn Politiker immer wieder die gute Zusammenarbeit betonen.“ Unternehmen ignorieren Ländergrenzen Spräche man mit einem Berliner Politiker da- rüber, dass Investitionen in der Region gehal- ten werden müssten, sei das für diesen erst ein- mal sekundär, weil damit im Falle von Alstom Arbeitsplätze in Brandenburg verbunden seien. „Es wird bevorzugt, was einen direkt betrifft. Für uns als Unternehmer spielen Landesgrenzen aber gar keine Rolle“, erläutert Müslüm Yakisan, der Sven Fietkau Geschäftsführender Gesellschafter, Run 24 GmbH Gegründet im Jahr 2000 im brandenbur- gischen Velten, eröff- nete der Spezialist für die Reinigung von Rohr- und Kanal- systemen 2005 einen Berliner Standort. Dort, in Reinickendorf, sind inzwischen alle Aktivitäten gebündelt. Viele Mitarbeiter pendeln aus Branden- burg. FOTOS: CHRISTIAN KIELMANN , FOTOSTUDIO CHARLOTTENBURG 28 IHK BERLIN | BERLINER WIRTSCHAFT 10 | 2021
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