Berliner Wirtschaft September 2021

Wiebke Ankersen Geschäftsführerin, AllBright Stiftung Mehr Frauen und Diversität in Füh- rungspositionen der Wirtschaft hat sich die Stiftung auf die Fahnen geschrieben. In 160 börsennotierten deutschen Unterneh- men liegt der Anteil weiblicher Vorstände bei lediglich 12,6 Pro- zent. Börsenneulinge schneiden sogar noch schlechter ab. geschränkte Perspektive“, findet die Deutsch-Ni- gerianerin, die in Stuttgart aufwuchs und 2018 in Berlin mit Tebogo Niminde-Dundadengar den Onlineshop Tebalou startete, um mehr Vielfalt ins Spielzimmer zu bringen. Das Duo mit afri- kanischenWurzeln bietet Produkte für alle Kin- der in der Gesellschaft an, unabhängig von Haut- farbe, Religion, Geschlecht, körperlichen Fähig- keiten oder Familienstruktur. „Die Vielfalt stellt bei Tebalou die Normalität dar“, sagt die Gründe- rin, die allerdings feststellenmusste, wie schwie- rig es ist, Kapitalgeber vom diversen Geschäfts- modell zu überzeugen. Immerhin: Nach der für Gründer typischen 3F-Finanzierung (friends, family and fools) gewährte schließlich die IBB einen Kleinkredit. Die Corona-Pandemie erwies sich dann sogar als Glücksfall für das Start-up Tebalou, dessen Name sich aus Teilen der Vornamen der beiden Gründerinnen zusammen- setzt. „Die Eltern mussten ihre Kinder 24/7 beschäftigen, Puzzles waren die Renner“, sagt die 41-Jährige. Wie bei der Auswahl aller Tebalou-Produkte – dar- unter Bücher, Spiele, Puppen, Malstifte – achten die Geschäftsführerinnen stets darauf, dass die Diversität stimmt. Und letztlich habe ihrem mittlerweile unter anderem von der Bundesregierung mit dem Kultur- und Kreativpiloten 2019 ausgezeichneten Unternehmen auch die Black-Lives-Matter-Debatte viel Auf- merksamkeit und einen Schub gebracht. Nach einem Bericht in einer überregio- nalen Zeitung zogen plötzlich viele regi- onale Blätter nach. Medien zitieren Männer Handlungsbedarf in den Medien gibt es allemal. Tatsächlich belegen diverse Untersuchungen, dass etwa in den Medien Männer viel häufiger zu Wort kommen als Frauen. Roula Khalaf, seit 2020 erste Chefredakteurin in der 131-jährigen Geschichte der „Financial Times“, zog schon als Stellvertreterin die Konsequenzen und setzte Compu- terprogramme – den „Janet Bot“ sowie den „She said, he said Bot“ – ein, die ana- lysierten, wie oft auf der Website Männer und Frauen gezeigt und zitiert wurden. Dabei kam heraus, dass nur 21 Prozent der Zitate von Frauen stammten. Last but not least müssen die Frauen also auch selbst ihren Beitrag leisten, damit verkrustete Strukturen aufbrechen. „Was mich grundsätz- lich zuversichtlich stimmt, ist, dass es für jün- gere Frauen heute selbstverständlich ist, zu arbei- ten und den Job auch nicht aufzugeben, wenn sie Mutter werden. Ich habe auch immer gearbei- tet. Wenn ich meine Tochter an der Kita abholte, fragten mich andere Mütter, ob ich denn arbei- tenmüsse“, erinnert sich Margareta Glass, Mana- ging Partner bei der Personalberatung Signium. Diese Einstellung habe sich geändert, aber die Rahmenbedingungen für eine vernünftige Kin- derbetreuung stimmten, ganz anders als etwa in Frankreich, immer noch nicht. „Eine Französin hat das Wort Rabenmutter wahrscheinlich noch nie gehört.“ In Deutschland gebe es immer noch keine wirklich zuverlässige Ganztagskinderbe- FOTOS: ALLBRIGHT STIFTUNG, FOTOSTUDIO CHARLOTTENBURG 28 IHK BERLIN  |  BERLINER WIRTSCHAFT 09 | 2021

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