Berliner Wirtschaft Juni 2025

wie die AEMtec gelernt. „Chipfabriken haben generell einen sehr langen Auftragsvorlauf von zwölf Monaten. Was wir jetzt bestellen, bekommen wir im Frühjahr 2026“, so Trommershausen. Wegen der Chipkrise in der Corona-Zeit hätten die Kunden mit AEMtec eine Bevorratungsstrategie ausgearbeitet und damit Vorräte für zwei Jahre beschafft, um flexibler zu sein. Vorausschauendes Krisenmanagement Der jetzt aufziehende Zollkrieg lässt Jan Trommershausen zwar noch ruhig schlafen, aber mit der Ruhe könnte es bald vorbei sein. Falls China tatsächlich ein Exportverbot für seltene Erden erlässt, wird das erhebliche Auswirkungen haben. Denn jeder Hersteller von Elektronikkomponenten braucht diese Metalle, wenngleich oftmals nur in sehr kleinen Mengen. „In der Hightech-Branche entwickeln wir oftmals nur einen Lieferanten für ein Produkt, weil dieser Prozess manchmal mehrere Jahre dauert“, erklärt er. Im schlimmsten Fall könne AEMtec nicht produzieren und müsse Kurzarbeit anmelden. Bis dahin würde aber wegen der langfristigen Lieferverträge mindestens ein Jahr vergehen. Noch ist nicht klar, wie die unberechenbaren Zollpläne von US-Präsident Donald Trump die Unternehmen rund um den Globus treffen werden, da treibt Sven-René Friedel bereits die nächste potenzielle Krise um. Sollte sich der Konflikt um Taiwan verschärfen, könnte das auch die Berlin Heart GmbH empfindlich treffen. Denn dort sitzt mit TSMC der weltweit mit großem Abstand führende Fertiger der anspruchsvollsten Chips, die das Unternehmen für die Produktion von Kunstherzen braucht. „Seit Ausbruch der multiplen Krisen hat sich der Fokus viel stärker als vorher auf das Risikomanagement verlagert“, sagt der Geschäftsführer. „Ziel ist es, in Europa, Amerika und Asien gleichermaßen Bezugsquellen zu haben, um im Falle von lokalen Krisen unabhängiger zu sein.“ Auch die Energieversorgung am Standort Lankwitz kam auf den Prüfstand. Berlin Heart wird vom örtlichen Heizkraftwerk beliefert. Friedel ließ nach Ausbruch des Ukrainekriegs dieselbetriebene Aggregate auf dem Fertigungsgelände installieren – für den Notfallbetrieb, denn die Zulaufwärme darf zu keinem Zeitpunkt absinken. Chemische Prozesse funktionieren dann nicht mehr. Die Aggregate wurden letztlich nicht gebraucht und wieder abgebaut, um nicht unnötig Kapital zu binden. Das Kapital setzt Friedel lieber ein, um andere Krisen zu managen. ■ Wenn der Bote bei Jan Trommershausen in Adlershof klingelt, haben die Pakete oft den halben Globus umrundet und bringen wertvolle Fracht. „Eine Box von der Größe zweier Schuhkartons mit Chips, Wafern und Leiterplatten kann auch schon mal 800.000 Euro wert sein“, sagt der Geschäftsführer der AEMtec GmbH. Was AEMtec für die Produktion mit seinen rund 300 Mitarbeitenden braucht, kommt aus der ganzen Welt – Europa, China oder auch Nordamerika. „Die Lieferketten sind komplett globalisiert und leben davon, dass sie reibungslos funktionieren.“ Reißt plötzlich ein Glied in der Kette, haben die Berliner ein Problem. Der Hersteller ultrakleiner Optoelektronik beliefert Kunden vor allem aus der Medizin- und Halbleiterindustrie, etwa Siemens Healthcare. Seit fünf Jahren schon geht es Schlag auf Schlag. Am 11. März 2020 erklärte die Weltgesundheitsorganisation Corona zur Pandemie. Mehrere Lockdowns folgten, Lieferketten rissen, die Wirtschaft kam fast zum Stillstand. Nur zwei Jahre später überfiel Russland die Ukraine, das Russland-Embargo löste eine Energiekrise aus, Preise und Zinsen schossen in die Höhe. Und schon hat die nächste Krise mit dem US-Handelskrieg begonnen. Störungen in der Lieferkette sind mittlerweile eher die Regel denn die Ausnahme. Lieferungen dringend benötigter Produkte verzögern sich oder fallen ganz aus, Frachtraten steigen, Vorräte müssen angelegt und finanziert werden. Aus den vergangenen Krisen wie der zwei Jahre währenden Corona-Pandemie haben Unternehmen Jan Trommershausen Geschäftsführer AEMtec Lieferketten leben davon, dass sie reibungslos funktionieren. Lars Mölbitz, Key-Account-Manager Industrie Tel.: 030 / 315 10-439 lars.moelbitz@ berlin.ihk.de Die-Bond-Prozess in Adlershof: Chips, Wafer und Leiterplatten sind für AEMtec wertvolle Fracht FOTOS: AEMTEC VERLAGSSONDERVERÖFFENTLICHUNG | Versorgungssicherheit | 54 Berliner Wirtschaft 06 | 2025

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