Berliner Wirtschaft Juni 2025

Nomen est omen: Der Brauerei-Gründer Georg Leonhard Hopf (1799–1844) begeisterte sich für Hopfen, insbesondere in unter- gärigem Bier. Postkartenmotive zeugen von der Beliebtheit der Brauerei mit Biergarten I m Mai 1838 gründete Georg Leonhard Hopf am Tempelhofer Berg (heute: Fidicinstraße) die „Hopf’sche Berliner Bock-Brauerei“. Hopf hatte sich vom Küfer zum Eigentümer einer Weinhandlung hochgearbeitet, die er mit seiner Ehefrau Marie Schweitzer, verwitwete Deibel (1791-1858), betrieb. Der aus Süddeutschland stammende Hopf wollte den Berlinerinnen und Berlinern das untergärige Bier seiner bayerischen Heimat, das klarer, alkoholreicher und kohlensäureärmer ist als das obergärige Weißbier, schmackhaft machen. 1832 gelang es Hopfs Braumeister Johann Ley, das erste untergärige Bier in Berlin herzustellen – in einer von Hopf erworbenen Brauerei in der Friedrichstraße am Oranienburger Tor. Sechs Jahre später ließ Hopf in dem noch weitgehend landwirtschaftlich genutzten Gebiet am Tempelhofer Feld eine eigene Brauerei errichten, in der er Ostern 1839 das erste Berliner „Bockbierfest“ veranstaltete. Bier und Biergarten fanden großen Zuspruch bei der Berliner Bevölkerung. Nach dem Tode Hopfs führten seine Witwe Marie und deren Söhne aus erster Ehe die Firma bis 1861 erfolgreich weiter: Sie ließen Neubauten errichten, erhöhten den Bierausstoß und gliederten dem vergrößerten Biergarten ein Restaurant an. Seit dem späten 19. Jahrhundert wurde das weitläufige Gelände häufig für kulturelle und sportliche Ereignisse genutzt. Auch die Sozialdemokratie veranstaltete in dem beliebten Etablissement Versammlungen: Im September 1890 sprach hier August Bebel. Nach mehrfachem Eigentümerwechsel gehörte die Brauerei schließlich seit 1920 zur Schultheiss-Patzenhofer Brauerei AG, die den Berliner Betrieb jedoch 1922 einstellte. Während des Zweiten Weltkriegs mussten KZ-Gefangene und Zwangsarbeiter in den Kellerräumen der Brauerei für die „Organisation Todt“ (Fritz Todt, 1891–1942, Reichsminister für Bewaffnung und Munition) und für die Telefunken AG Rüstungsgüter produzieren. Die gegen Ende des Krieges in großem Umfang zerstörten Gebäude wurden bis 1960 wiederaufgebaut, und es zogen zahlreiche Betriebe ein. Im Laufe der Jahrzehnte entwickelte sich das Gelände zu einem Ort für viele Kreative. Seit Herbst 2024 entstehen hier unter dem Namen „Die neue Bockbrauerei“ neue Wohn-, Büro- und Kulturflächen. Jüngst kaufte das Land Berlin für 120 Mio. Euro ein Drittel der bebauten Fläche für landeseigene Büros, in die der Landesrechnungshof einziehen soll. ■ Georg Leonhard Hopf produzierte in Berlin mit seiner Frau Marie Schweitzer Bier nach süddeutschem Rezept, aber das Geschäftsmodell ging weit über das bloße Brauen hinaus von Dr. Ute Pothmann (BBWA) Von Hopf zum Hopfen Zugang zum Wirtschaftsarchiv Die Bestände des Berlin-Brandenburgischen Wirtschaftsarchivs (BBWA) können nach Vereinbarung eingesehen werden. Kontakt und Infos: bb-wa.de FOTOS: BBWA Historie | 43 Berliner Wirtschaft 06 | 2025

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