Berliner Wirtschaft Juni 2025

400 Personen in der Kugel befinden. Natürlich würde es auch uns – wie dem gesamten Berliner Tourismus – helfen, wenn die Anbindung Berlins im Luftverkehr besser wäre. Es gibt zu wenig Direktflüge nach Berlin, insbesondere aus Asien. Wir brauchen eine gute Marketingkampagne im Berlin-Tourismus, die das berücksichtigt. Und dass dort, wo Interesse an Berlin besteht, Menschen angesprochen werden. Ich fürchte, in Asien ist im Moment nicht viel zu holen. Im Berlin-Tourismus insgesamt sind die Besucherzahlen aus der Vor-Corona-Zeit noch nicht wieder erreicht worden. Gilt das auch für den Fernsehturm? Ja, auch wir sind noch nicht wieder auf dem Niveau. Insbesondere die Besucher aus Asien vermissen wir schmerzlich. Das Vor-Corona-Niveau erreichen wir vielleicht nie wieder im Fernsehturm und in Berlin insgesamt. Ich finde das aber auch gar nicht so schlimm. Warum nicht? Wir sollten nicht allein in der quantitativen Dimension denken. Ich denke, es wäre besser, zusätzliche Qualitäten zu schaffen, die von Touristen geschätzt und bezahlt werden. Deshalb müssen wir uns eher die Frage stellen: Wollen wir überhaupt die alten Zahlen wieder erreichen? Wir haben während der Pandemie ein neues Abstandsgefühl entwickelt. Die Menschen fühlen sich nicht mehr so wohl in vollgestopften Attraktionen. Daran müssen sich die Betreiber anpassen. Wie kann das gelingen? Durch zusätzliche Angebote. Die, die noch kommen, zahlen vielleicht für ein Getränk an der Bar, was sie sonst nicht gemacht hätten, weil es früher einfach viel zu voll dafür war. Wir werden irgendwann zumindest in die Nähe der Vor-Corona-Zahlen kommen, aber den letzten Schritt schaffen wir vielleicht nie, weil wir uns darauf konzentrieren werden, dass die, die kommen, hier wirklich eine schöne Zeit haben, uns weiterempfehlen und wiederkommen. Das sollte uns im Zweifel wichtiger sein, als die Massen zu mobilisieren. Ist das für Sie auch ein Thema? Natürlich, auch wir versuchen, unsere Qualität zu erhöhen. Wir investieren dafür kräftig. Schon deshalb, weil die Besucher aus Asien ausblieben. Erfreulich ist, dass zu uns sehr viele Menschen aus den USA und aus Großbritannien kommen. Aber wir müssen auch darüber hinaus neue Zielgruppen adressieren. Aus diesem Grund sprechen wir verstärkt die Berliner und Brandenburger an. Wir haben gerade das Restaurant modernisiert und wiedereröffnet und unter dem Namen „Sphere Tim Raue“ ein neues Konzept etabliert. Was versprechen Sie sich von einem Sternekoch im Fernsehturm? Tim Raue ist in der Region sehr bekannt und populär. Das Interesse ist groß. Wir servieren unter seiner kulinarischen Leitung typisch deutsche und lokale Gerichte, so wie sie zum Turm passen – aber eben interpretiert von Tim Raue. Das macht viele neugierig. Er ist ja beispielsweise bekannt dafür, dass er gut und kräftig würzt. Welche Rolle nimmt Tim Raue ein? Er gibt das kulinarische Konzept vor. Wir sind nach wie vor der Betreiber des Restaurants. Sein Hoheitsgebiet ist das, was auf der Karte steht. Er entscheidet, was gekocht wird und wie es angerichtet wird. Aber wir arbeiten mit unserem Team, mit unseren Köchen. Wir sind eben kein gewöhnliches Restaurant. Gegessen wird in 207 Metern Höhe, die Küche ist unten, die fertigen Gerichte werden mit dem Fahrstuhl nach oben gebracht. Darauf muss auch die Speisekarte ausgerichtet werden. Die Zusammenarbeit zwischen unserem Personal und Tim Raue ist für beide Seiten eine spannende Sache. Anja Nitsch im Interview: Der Fernsehturm soll wieder mehr zum Ausflugsziel für Berliner und Brandenburger werden Es gibt zu wenig Direktflüge nach Berlin, insbesondere aus Asien. FOTO: AMIN AKHTAR Berliner Wirtschaft 06 | 2025 FOKUS | Tourismus | 30

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