Berliner Wirtschaft Juni 2025

sich Berlin permanent wandelt und immer noch attraktiver werden kann. Wie in keiner anderen deutschen Großstadt gibt es hier einen vielfältigen Mix an Erlebnis- und Freizeitangeboten, die ständig ausgebaut und erweitert werden – was Berlin zu einem der begehrtesten Städtereiseziele macht. Im vergangenen Jahr checkten in den 725 Beherbergungsbetrieben 12,7 Millionen Besucher ein, 5,2 Prozent mehr als im Vorjahr. 42 Prozent davon kamen aus dem Ausland. „Die Gästezahlen liegen inzwischen bei über 90 Prozent des Niveaus des Vor-Corona-Jahres 2019“, weiß Sabine Wendt, Geschäftsführerin von visitBerlin, der offiziellen Berliner Agentur für Tourismus- und Kongress-Marketing. „2024 haben wir erstmals seit der Pandemie wieder die 30-Millionen-Marke bei den Übernachtungen überschritten, womit wir uns in den Top Ten der europäischen Metropolen etwa auf Augenhöhe mit Rom befinden.“ Mit dem Tourismuskonzept 2018+ – Qualität statt Quantität, Nachhaltigkeit, Lenkung der touristischen Nachfrage aus der stark frequentierten Innenstadt – habe Berlin einen neuen Standard für die Visitor Economy gesetzt. „Es geht darum, eine Stadt zu entwickeln, in der sich sowohl Touristen als auch Einheimische gleichermaßen wohlfühlen.“ So werden zum Beispiel mit der App „Going Local“ oder gezielten Kiez-Kampagnen Gäste inspiriert, Attraktionen auch außerhalb der zentralen Bezirke zu besuchen – beispielsweise das DDR Museum Depot in Marzahn, die SurfEvent-Location Wellenwerk in Lichtenberg oder das wiedereröffnete Schloss auf der Pfaueninsel in Wannsee –, was wiederum auch die Bewohner der Randbezirke bereichert. Vom Tourismuskonzept 2018+ profitiere die ganze Stadt, sagt Franziska Giffey, Senatorin für Wirtschaft, Energie und Betriebe: „Mit knapp 17 Milliarden Euro Umsatz und einem Anteil von 6,6 Prozent an der gesamten Wirtschaftsleistung Berlins ist der Tourismus ein wichtiges Standbein unserer Wirtschaft.“ Den Sparkurs des Senats bezeichnet Senatorin Giffey als Kraftakt. „Die Kürzungen im Kunst- und Kulturbereich bleiben natürlich nicht unbemerkt, insbesondere in der Szene selbst – das kulturelle Angebot ist aber einer der großen Anziehungspunkte für unsere Gäste und wird weiter in großer Vielfalt Menschen begeistern, mit gut einer Milliarde Euro Landesförderung im Jahr.“ Giffey gibt zu bedenken: „Ohne die vielen Nicht-Berlinerinnen und -Berliner blieben viele Säle, Museen und Vorführungen leer, denn ein großer Teil der Nachfrage kommt von außen.“ Das sieht auch Robert Rückel so, der Vizepräsident der IHK Berlin: „Zwischen der Tourismus- und der Freizeitwirtschaft gibt es im Grunde kaum einen Unterschied.“ Von den Angeboten für die Gäste der Stadt profitierten auch die Einheimischen: „Die touristische Nachfrage steigert die Attraktivität einer Stadt – ohne Touristen hätte Berlin keine drei Opernhäuser und nicht über 20 Sternerestaurants.“ Der ehrenamtliche IHK-Vizepräsident glaubt, „dass ein gutes Angebot an Freizeit- und Tourismus-Highlights sowohl Berlins Einwohnerschaft als auch die Besucher der Hauptstadt gleichermaßen überzeugen kann“. Zwei dieser Highlights betreibt Rückel selbst: neben dem Deutschen Spionagemuseum das vor zwei Jahren eröffnete Deutschlandmuseum, ein weltweit einzigartiger Mix aus Geschichtsmuseum und Freizeitpark-Elementen (siehe S. 24). Internationaler Leuchtturm der Kultur „Berlin als internationaler Leuchtturm der Kultur“, wie es der Regierende Bürgermeister, Kai Wegner (CDU), formuliert, strahlt nicht nur mit einer Vielzahl von Museen und Theatern, sondern auch mit seinen Kabarett- und Kleinkunst-Bühnen. Die ältesten sind die Ende 1949 gegründeten Stachelschweine, wo einst schon der legendäre Wolfgang Neuss auf die Pauke haute, die Distel, die es seit 1953 im Osten der Stadt gibt, und die Wühlmäuse, die nach fast 65 Jahren immer noch von Dieter Hallervorden geleitet werden. Seinen 40. Geburtstag hat gerade das Mehringhof-Theater (siehe S. 26) gefeiert. Neben weiteren einschlägigen Spielstätten, darunter die Berliner Kabarett 12,7 Mio. Gäste übernachteten 2024 in den 725 Beherbergungsbetrieben Berlins – ein Plus von 5,2 Prozent zum Vorjahr und gut 90 Prozent des Vor-Corona-Niveaus. 70 500 Business-Events zählte visitBerlin im Jahr 2023, mehr als 2019 (66.850) noch vor der Pandemie und ein immenser Zuwachs im Vergleich zu 2020/21 (20.000 jährlich). FOTOS: DBRNJHRJ/STOCK.ADOBE.COM, GETTY IMAGES/THE IMAGE BANK/ BRIAN HAGIWARA, GETTY IMAGES/MASKOT; ARTWORK: ASCS/CLARA NABI FOKUS | Tourismus | 22 Berliner Wirtschaft 06 | 2025

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