Weniger Niederschläge und zunehmende Trockenheit sorgen in weiten Teilen Ostdeutschlands für sinkende Grundwasserstände. So sind regional geplante Ansiedlungen mangels Wasserverfügbarkeit bereits gescheitert. In Zeiten steigender Wasserbedarfe und abnehmender Grundwasserressourcen wird die Versorgungssicherheit zu einer Schlüsselfrage für die Wirtschaft der Länder Berlin, Brandenburg und Sachsen. Sie war zentraler Diskussionspunkt beim länderübergreifenden Wasserkongress am 12. und 13. Mai in der IHK Berlin. Rund 270 Vertreterinnen und Vertreter aus Politik, Verwaltung, Wirtschaft und Wissenschaft tauschten sich im Ludwig Erhard Haus über die Folgen des Klimawandels sowie des Kohleausstiegs für den Wasserhaushalt aus. Die Auswirkungen betreffen Industrie sowie Land- und Forstwirtschaft genauso wie den Tourismus und die Bevölkerung. Mit Blick auf Strategien und Maßnahmen für eine sichere Wasserversorgung offenbarte der Kongress das Potenzial der länder- und branchenübergreifenden Kooperation bei der Erarbeitung von Lösungsansätzen. Zu den Veranstaltern des Kongresses gehörten neben den IHKs aus den drei Ländern die Landesgruppen Berlin-Brandenburg und Sachsen des Verbands kommunaler Unternehmen (VKU) sowie der Verein Berliner Kaufleute und Industrieller (VBKI). Länder können Lasten nicht allein tragen Die Vorhaltung ausreichender Wasserrechte, die Beschleunigung von wasserrechtlichen Genehmigungen und die finanzielle Unterstützung beim Infrastrukturausbau und -erhalt sind für den Erfolg der Bemühungen von großer Bedeutung. Daher wird die im Koalitionsvertrag des Bundes angekündigte Einrichtung eines „Bund-Länder-Gremiums Wasser“ ausdrücklich begrüßt. Das Gremium soll helfen, Maßnahmen gegen Wassermangel – etwa an der Spree – länderübergreifend anzugehen und die Finanzierung notwendiger Infrastruktur zu sichern. Manja Schreiner, Hauptgeschäftsführerin der IHK Berlin, hebt hervor: „Die gute Zusammenarbeit zur Bewältigung der Folgen des Kohleausstiegs muss konsequent weitergeführt werden. Die Länder können die finanziellen Lasten nicht allein tragen.“ Wie gelingt der Wandel vom schnellen Wasser- abfluss hin zur Wasserspeicherung in der Landschaft? Mit dieser Leitfrage war die Veranstaltung bereits am Vortag gestartet – bei einer Exkursion konnten sich die Teilnehmer über das Schwammstadtprojekt an der Rummelsburger Bucht in Berlin informieren, mit einem anschließenden Netzwerkabend auf der Spreefahrt. Am nächsten Tag folgte ein Austausch zwischen Abgeordneten, Unternehmen und Wasserversorgern aus Berlin-Brandenburg und Sachsen, bei dem deutlich wurde, dass Politik und Wirtschaft bereit sind, gemeinsam Lösungen zu gestalten. Insgesamt boten die zahlreichen Pitches und Fachforen vielfältige Perspektiven, das galt auch für die Podiumsdiskussion mit Ute Bonde, Berliner Senatorin für Mobilität, Verkehr, Klimaschutz und Umwelt, Brandenburgs Umweltstaatssekretär Gregor Beyer, Tesla-Manager Alexander Riederer von Paar, BWB-Finanzvorstand Frank Bruckmann sowie Heiko Zien vom Verband Nord- und Ostdeutscher Papierfabriken. Heiko Zien brachte die Problematik auf den Punkt: Ohne langfristige Wassersicherheit drohen Produktionsausfälle – mit direkten Folgen für die Wirtschaft. Auch Manja Schreiner betonte stellvertretend für die veranstaltenden IHKs die Bedeutung einer verlässlichen und bezahlbaren Wasserversorgung für die Wettbewerbsfähigkeit der Wirtschaft. Dr. Christoph Schulte vom Umweltbundesamt wies darauf hin, dass trotz sinkender Entnahmen – vor allem im Energiesektor – das Wasserangebot zurückgeht, während der Bedarf in der Landwirtschaft steigt. Zukunftsfähige Konzepte und effiziente Strukturen seien daher unerlässlich. Wie Ute Weiland, Geschäftsführerin des VBKI, hervorhob, sei die Hauptstadtregion durch Extremwetter besonders gefordert. Sie plädiert für mehr Speicher, Wasserwiederverwendung und eine konsequente Umsetzung des Schwammstadtprinzips. Auch Senatorin Ute Bonde unterstrich, dass Berlin seinen Trinkwasserbedarf nicht allein decken könne – der Speicherausbau sei essenziell. Die Frage der Zuständigkeiten für Unternehmen bezeichnete Alexander Riederer von Paar als zentral. Tesla habe gerade einen Erschließungsvertrag abgeschlossen – nach aufwendigen Verhandlungen mit zahlreichen Akteuren. Nicht jedes Unternehmen könne sich so etwas leisten. Julian Büche von der VKU-Landesgruppe Berlin-Brandenburg forderte, Wasserrechtsverfahren auf maximal drei Jahre zu begrenzen, um Versorgern mehr Flexibilität auf veränderte Bedarfe, etwa durch Industrieansiedlungen, zu ermöglichen. Einigkeit herrschte bei allen über die Notwendigkeit der länder- und branchenübergreifenden Zusammenarbeit. ■ Manja Schreiner Hauptgeschäftsführerin IHK Berlin Die gute Zusammenarbeit zur Bewältigung der Folgen des Kohleausstiegs muss konsequent weitergeführt werden. Larissa Scheu, IHK-Public-Affairs- Managerin Energie- und Klimaschutzpolitik Tel.: 030 / 315 10-686 larissa.scheu@ berlin.ihk.de FOTOS: IHK BERLIN/KONSTANTIN GASTMANN Wasserkongress | 17 Berliner Wirtschaft 06 | 2025
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