Der Welthandel befindet sich in einem grundlegenden Umbruch, mit deutlichen Auswirkungen auf deutsche Unternehmen – und damit auch auf Berlin. „Die wachsenden Handelsbarrieren und protektionistische Signale aus Washington bereiten unseren Unternehmen große Sorgen“, sagt der Außenwirtschaftschef der Deutschen Industrie- und Handelskammer (DIHK), Volker Treier. Laut einer aktuellen Umfrage erwarteten 70 Prozent der Befragten negative Auswirkungen der US-Handelspolitik auf ihre Geschäfte. Dabei hätten noch im vergangenen Jahr die USA als Hoffnungsträger gegolten. Jetzt habe sich die Lage für die deutschen Unternehmen im US-Geschäft mit Abstand am stärksten verschlechtert. Für ihre aktuelle Erhebung „Going International 2025“ hat die DIHK knapp 2.600 auslandsaktive Betriebe mit Sitz in Deutschland zu ihren internationalen Geschäften befragt (siehe Grafik). Taskforce mit Unternehmensbeteiligung Das Land Berlin reagiert unterdessen mit einer Taskforce auf Trumps globale Strafzölle. „Mit den USA agiert der wichtigste Handelspartner Berlins nicht mehr zu den gleichen Konditionen“, erklärte Wirtschaftssenatorin Franziska Giffey (SPD). Deshalb habe ihre Verwaltung beschlossen, eine Taskforce USA einzuberufen, die die Lage analysieren und Strategien entwickeln soll, wie mit der neuen Situation umgegangen werden soll. In der Taskforce seien zunächst Vertreter der IHK und der landeseigenen Wirtschaftsförderung Berlin Partner sowie Unternehmen, die besonders starke Beziehungen in die USA haben, vertreten. Das wäre zum einen im Gesundheitsbereich Bayer, dann Siemens und die BMW-Motorradwerke. „Alle drei haben aber ein bisschen Entwarnung gegeben, weil sie auch eigene Fabriken in den USA haben“, sagte Giffey nach einem ersten Treffen. Anders sehe es allerdings bei mittelständischen und kleinen Firmen aus, die keine Produktionsstandorte in den USA haben. Die USA sind für Berliner Unternehmen der wichtigste Handelspartner mit Ausfuhren in Höhe von 1,6 Mrd. Euro im Jahr 2024. Danach erst folgten Frankreich (1,3 Mrd. Euro), China (1,3 Mrd. Euro) und Polen (1,2 Mrd. Euro). Die meistgehandelten Warengruppen mit den USA sind im Export Datenverarbeitungsgeräte, elektrische und optische Erzeugnisse, Maschinen, Fahrzeuge, elektrische Ausrüstung und pharmazeutische Produkte. Auch beim Import sind die USA einer der wichtigsten Partner für die Berliner Wirtschaft. Mit einem Volumen von einer Mrd. Euro im vergangenen Jahr liegen die USA auf Platz 6 der wichtigsten Berliner Importmärkte, hinter Italien (1,5 Mrd. Euro), den Niederlanden (1,4 Mrd. Euro) und Tschechien (1,2 Mrd. Euro). Im Import sind es vor allem Maschinen, Datenverarbeitungsgeräte, elektrische und optische Erzeugnisse, chemische Produkte, elektrische Ausrüstungen und pharmazeutische Artikel. Alles muss neu bewertet werden Vor diesem Hintergrund sind die Strafzölle der Trump-Regierung gegen fast alle Länder – ausgenommen zum Beispiel Russland – eine mehr als beunruhigende Entwicklung. „Besonders brisant ist, dass die Strafzölle mit dem nordamerikanischen Handelsabkommen USMCA brechen und Investitionen in der gesamten Region gefährden“, betont DIHK-Außenwirtschaftschef Treier. Rund 2.100 deutsche Unternehmen in Mexiko, die ihre Produkte in die USA lieferten, stünden „vor erheblichen Mehrkosten“. Doch die eigentliche Gefahr reiche weit über Nordamerika hinaus. „Wenn selbst bestehende Handelsregeln keine Sicherheit mehr bieten, steht das gesamte globale Handelssystem – offene Märkte und eine freie Wirtschaft – auf dem Spiel“, so Treier. Die Verunsicherung durch die amerikanische Handelspolitik strahlt dabei auf alle Weltregionen aus. Trotz leichter Aufwärtstendenzen bleiben die Geschäftsperspektiven für das laufende Jahr in fast allen Weltregionen negativ. Der in den Startlöchern stehende Aufschwung wird durch die große Verunsicherung ausgebremst. Was gestern für viele Geschäftsbeziehungen noch galt, muss heute neu bewertet werden. Klare Rahmenbedingungen erforderlich Was tun angesichts dieser globalen Herausforderungen? „Es braucht mehr Tempo beim Abschluss von Handelsabkommen und weniger bürokratische Hürden“, fordert Volker Treier. Die Unternehmen bräuchten „dringend klare Rahmenbedingungen, die Marktchancen eröffnen und längerfristig absichern“. Das bedeute auch für die neue Bundesregierung, ihre Hausaufgaben zur Verbesserung der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen entsprechend schnell zu erledigen. „Wenn wir Betriebe bei ihrer Wertschöpfung zu Hause nicht entlasten, verlieren wir international weiter an Boden“, so der Außenwirtschaftschef der DIHK. „Das globale Umfeld ist herausfordernd genug – zusätzliche Bürokratie dürfen wir uns nicht leisten.“ ■ Dr. Valentina Knezevic, IHK-Public-Affairs- Managerin Wirtschaft & Politik Tel.: 030 / 315 10-243 valentina.knezevic@ berlin.ihk.de DIHK-Umfrage Die Ergebnisse der aktuellen Erhebung „Going International 2025“ unter dem QR-Code: Volker Treier Außenwirtschaftschef DIHK Es braucht mehr Tempo beim Abschluss von Handelsabkommen und weniger bürokratische Hürden. FOTO: GETTY IMAGES/ABSTRACT AERIAL ART; GRAFIK: JULIA ZIMMERMANN/QUELLE: DIHK Außenwirtschaft | 57 Berliner Wirtschaft 05 | 2025
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