Berliner Wirtschaft Mai 2025

Hier werden die Schätze gelagert und bei Bedarf gehoben, etwa wenn Unternehmen „History Marketing“ betreiben möchten Wann waren Sie das letzte Mal in einem Archiv? Genau. Und auch wenn die Nützlichkeit dieser Art von Einrichtung für Unternehmen nicht auf den ersten Blick einleuchtet, hat Björn Berghausen eine Antwort parat. Der Historiker und Germanist ist seit 2011 Geschäftsführer des Berlin-Brandenburgischen Wirtschaftsarchivs (BBWA) und hütet „das Gedächtnis der regionalen Wirtschaft“. „Ein Archiv hat drei Funktionen: Rechtssicherung, Identitätsstiftung und Erinnerungsspeicher“, sagt Berghausen. „Auch für künftige Generationen ist es relevant, wer wann welche Entscheidung auf welcher Grundlage getroffen hat.“ Ironischerweise sprechen wir am Tag der Sperrung der Ringbahn- brücke über die A100. Einen Tag danach lud das BBWA zum „Industriekulturabend“, wie der Verein seine Veranstaltungsreihe betitelt hat, zum Thema Autobahnbau – ein länger geplanter Blick zurück, der auf einmal topaktuell wurde. Ende 2004 entstand das Wirtschaftsarchiv, seit 20 Jahren ist es im Vereinsregister eingetragen, seit 2008 unterstützt die IHK Berlin das Vorhaben. In den Beständen des BBWA lagern die Mitgliedsakten der Industrie- und Handelskammer, auch die Handwerkskammer und der VBKI fördern das Archiv. Weitere Fördermitglieder sind regionale Verbände, Initiativen und Unternehmen. Für Letztere hat die Auseinandersetzung mit der eigenen Firmengeschichte Schatten- und Sonnenseiten. Sowohl Mittelständler als auch Großkonzerne nutzen Tradition und etablierten Ruf zur Bewerbung eigener Produkte und Dienstleistungen – der Begriff dazu: „History Marketing“. Für Berghausen ist das die identitätsstiftende Rolle von Archiven. Im Auftrag der Unternehmen unterstützt das BBWA bei der Erstellung von Publikationen und der Konzeption von Ausstellungen. Mit den Schattenseiten der eigenen Unternehmensgeschichte mussten sich viele deutsche Firmen um die letzte Jahrtausendwende beschäftigen, als der Fonds für die Entschädigung der Zwangsarbeiter aus dem Zweiten Weltkrieg eingerichtet wurde. Manche Erkenntnisse unabhängiger Forscherinnen und Forscher rüttelten am Selbstverständnis einiger Unternehmen und überlieferten Erzählweisen. Was sich der Historiker zum 20. Jubiläum wünscht? Vor allem mehr Magazinfläche, denn die 220 Quadratmeter am Eichborndamm in Reinickendorf reichen nicht mehr aus. Immer wieder kommen Nachlässe und Unternehmensarchive dazu, oft in Form von Kartons mit unsortierten Dokumenten. Dann beginnt die eigentliche Archivierung: Sichtung, Sortierung, Erschließung, Zur-Verfügung-Stellung. Und immer häufiger auch Digitalisierung. ■ Das Berlin-Brandenburgische Wirtschaftsarchiv speichert regionale Unternehmensgeschichte und -geschichten. Ein Besuch zum 20. Geburtstag von Dr. Mateusz Hartwich Das Gedächtnis der Wirtschaft Björn Berghausen Geschäftsführer Berlin-Brandenburgisches Wirtschaftsarchiv Auch für künftige Generationen ist es relevant, wer wann welche Entscheidung auf welcher Grundlage getroffen hat. Zugang zum Wirtschaftsarchiv Die Bestände des Berlin-Brandenburgischen Wirtschaftsarchivs (BBWA) können nach Vereinbarung eingesehen werden. Kontakt und Infos: bb-wa.de FOTOS: BBWA, LANDESARCHIV BERLIN BRANCHEN | Historie | 44 Berliner Wirtschaft 05 | 2025

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