Berliner Wirtschaft Mai 2025

So überrascht es kaum, dass sich die Bewerbungssituation gegenüber den Vorjahren deutlich verschärft hat. Zahlen dazu liefert die Aus- und Weiterbildungsumfrage der IHK Berlin aus dem Vorjahr: Hatten im Ausbildungsjahr 2017 noch 17 Prozent der befragten Unternehmen angegeben, dass sie keine Bewerbungen erhalten haben, so waren es für das Ausbildungsjahr 2023/24 fast ein Drittel (32 Prozent). Klar wird bei diesen Zahlen: Viele Debatten um die Ausbildung werden mit einer falschen Schlagseite geführt. Das Kernproblem in der Hauptstadt sind nicht fehlende Ausbildungsplätze, es mangelt vielmehr an jungen Menschen, die die nötigen Voraussetzungen für eine erfolgreiche Ausbildung mitbringen. Trotz dieses Gegenwinds engagierten sich die IHK-Unternehmen im vergangenen Jahr dafür, deutlich mehr Auszubildende aufzunehmen als noch im Vorjahr. Insgesamt konnte laut der gerade veröffentlichten IHK-Ausbildungsbilanz 2024 ein Plus von 3,2 Prozent an neuen betrieblichen Ausbildungsverhältnissen in Berlin verzeichnet werden. Dieser Aufwärtstrend in IHK-Berufen hätte noch deutlich größer ausfallen können, getrübt wird er aber von einer weiterhin hohen Vertragslösungsquote von rund 13,3 Prozent über alle Ausbildungsverhältnisse. Vor diesem Hintergrund sorgen die aktuellen Pläne des Senats, sich mit einem Gesetzesentwurf zu der Einführung einer möglichen Berliner Ausbildungsumlage zu befassen, für großes Unverständnis. „Wir sind ein Unternehmen der Baubranche und haben mit dem sogenannten SOKA-Verfahren bereits seit vielen Jahrzehnten eine brancheneigene Ausbildungsumlage, die von Tarifvertragsparteien begründet wurde“, berichtet zum Beispiel Dieter Mießen. „Eine allgemeine Umlage für alle Unternehmen dieser Stadt lehne ich aber nicht nur deswegen kategorisch ab“, bezieht der kaufmännische Leiter der Frisch & Faust Tiefbau GmbH klar Stellung. Strafabgabe geplant Aktuell plant das Land die Einführung einer solchen Strafabgabe, falls die Wirtschaft zwischen Ende 2023 und 2025 keine 2.000 zusätzlichen Ausbildungsverhältnisse schafft. Davon betroffen wären alle Berliner Unternehmen mit sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten ab einer bestimmten Bruttolohnsumme. Derzeit ist Bremen das einzige Bundesland in Deutschland, das eine verpflichtende Ausbildungsabgabe eingeführt hat. Dort müssen alle Unternehmen ab einer Bruttolohnsumme von 135.000 Euro die Abgabe in einen Ausbildungsfonds einzahlen. Auch nach Überzeugung der IHK Berlin führt die Ausbildungsumlage in eine Sackgasse. „Die Umlage wird keinen einzigen zusätzlichen Ausbildungsvertrag schaffen – sie ist als Instrument vollkommen ungeeignet, da ihr ein völlig falsches Bild der Wirklichkeit zugrunde liegt“, beklagt sich Sebastian Stietzel, Präsident der IHK Berlin. Passungs- und Matching-Probleme bleiben dadurch weiterhin ungelöst, zudem bestraft die Umlage jene Unternehmen, die ausbilden wollen, aber keine Bewerber finden. Darüber hinaus schafft sie einen immensen Verwaltungsapparat. Basiskompetenzen stärken Der IHK-Präsident sieht zwei zentrale Themenfelder, die stattdessen neben vielen weiteren notwendigen Weichenstellungen von den verantwortlichen Akteuren vorangetrieben werden sollten, um Berlin in den nächsten Jahren als innovative Bildungsmetropole zu stärken. Hierzu zähle zum einen die Stärkung der Basiskompetenzen. „Kinder müssen frühzeitig in grundlegenden Bereichen wie Lesen, Schreiben und Mathematik sowie digitalen Kompetenzen gezielt unterstützt werden, um eine solide Bildungsbasis zu schaffen“, so Stietzel. „Kinder, die nicht richtig sprechen und verstehen können, sind in der Schule nur bedingt teilhabefähig und daher von Anfang an im Nachteil“, gibt er zu bedenken. Zum anderen müsse die Berufsorientierung durch eine engere Zusammenarbeit mit der Wirtschaft weiter verstärkt werden. Die IHK Berlin beweist in diesem Themenfeld schon heute, wie es besser gehen kann. Gemeinsam mit unterschiedlichen Partnern hat die Kammer im Rahmen der im Jahr 2023 gestarteten IHK-Ausbildungsoffensive innovative Ideen für eine bessere Berufsorientierung und die Azubigewinnung auf den Weg gebracht. Für eine 32 % der Unternehmen hatten im Ausbildungsjahr 2023/24 keine Bewerber, so das Ergebnis der IHK-Aus- und Weiterbildungsumfrage. FOTOS: GETTY MAGES/MONTY RAKUSEN, IHK BERLIN/AMIN AKHTAR FOKUS | Ausbildung | 22 Berliner Wirtschaft 05 | 2025

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