Berliner Wirtschaft April 2025

Oben: Geschäftshaus des nach dem Gründer Richard Lebram (rechts) benannten Unternehmens in der Wallstraße 15/15a. Die Lagerabteilung lässt die Größe des Schmuckbestandes erahnen Mit eigenen Ersparnissen gründete der erst 27-jährige Richard Lebram (1866-1938) 1893 ein Gold-, Silber- und Bijouteriewarengeschäft in der Scharrenstraße 5 in Berlin. Sein ausgeprägter Geschäftssinn, der sich in schneller Reaktion auf Marktbedingungen sowie hoher Leistungsbereitschaft und Zuverlässigkeit zeigte, ließ sein Unternehmen in den nächsten zwei Jahrzehnten zu einem der größten Schmuckwarenhändler Berlins expandieren. Lebram bediente eine internationale Kundschaft und errichtete Zweigstellen in Pforzheim und Schwäbisch Gmünd – beide Städte waren damals weltbekannt für ihre Edelmetall- und Uhrenindustrie. Nachdem er seine Geschäftsräume wiederholt erweitern musste und dazu mehrfach innerhalb Berlins umgezogen war, ließ er im Jahr 1911 in der Wallstraße 15/15a ein eigenes Geschäftshaus errichten, dessen Fassade monumentale Eleganz ausstrahlte. Innen war das Gebäude sehr modern mit Fahrstühlen für Lasten und Personen, einem umfangreichen Telefon- und Rohrpostnetz und einer Zentralheizung ausgestattet. Modern war auch die Einstellung, die Lebram gegenüber seinem Personal vertrat: Seine soziale Fürsorge spiegelte sich in der Einrichtung einer Kantine, die warme Mahlzeiten bot, einer Unterstützungskasse und regelmäßigen Gratifikationen. Richard Lebram engagierte sich in Vereinen, Verbänden und Ausschüssen seiner Branche. So gehörte er als Gründungsmitglied dem Deutschen Uhrenhandelsverband an. Da die 1897 geschlossene Ehe von Richard Lebram und Nanny Heymann (1871-1941) kinderlos blieb, adoptierte das Paar 1919 den neunjährigen Jürgen Glaser und dessen Schwester. Die Kinder erhielten den Nachnamen Lebram. Der im nationalsozialistischen Deutschland als „arisch“ geltende Jürgen trat 1935 als Geschäftsführer in die Richard Lebram GmbH seines „nicht arischen“ Adoptivvaters ein. Nach Kriegsende bewies Jürgen Lebram, dass er den Betrieb nicht „arisiert“ hatte. 1950 endete dann die Berliner Geschichte des Unternehmens: Jürgen Lebram verlegte die Firma nach Pforzheim und führte sie dort mit seinem Kompagnon Werner Daub fast 25 Jahre weiter. Als dieser 1974 starb, beschloss Jürgen Lebram, selbst schwer erkrankt, das Unternehmen endgültig zu schließen. ■ Mit großem Geschick führte Richard Lebram seinen Schmuckgroßhandel – und verhielt sich den Arbeitskräften gegenüber äußerst fürsorglich und sozial von Dr. Ute Pothmann (BBWA) Ein Herz aus Gold Zugang zum Wirtschaftsarchiv Die Bestände des Berlin-Brandenburgischen Wirtschaftsarchivs (BBWA) können nach Vereinbarung eingesehen werden. Kontakt und Infos: bb-wa.de FOTOS: BBWA BRANCHEN | Historie | 40 Berliner Wirtschaft 04 | 2025

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