Berliner Wirtschaft April 2025

Als ehemaliger Bezirksstadtrat, Bürgermeister von Marzahn-Hellersdorf und heutiger Unternehmer kennt Stefan Komoß beide Seiten der Berliner Verwaltung. Nach zehn Jahren im Staatsdienst machte sich Komoß 2017 mit einer Gesellschaft für Projektentwicklung selbstständig. Zu seinen Kunden zählen unter anderem Behörden, deren Mitarbeitende Komoß’ Team aktuell etwa in der Anwendung der Digitalen Akte schult. Jeder Berliner Verwaltungbeschäftigte ist verpflichtet, sich zwei Tage schulen zu lassen, um die neue Technologie zu erlernen. 12.000 haben das bislang getan. Mit seiner 4K Concept Gesellschaft für Projektentwicklung mbH hatte sich Komoß bei einer europaweiten Ausschreibung erfolgreich um den Auftrag beworben. Von seiner politischen Vergangenheit profitiert Komoß immer noch. „Als Bürgermeister war ich der Dienstvorgesetzte von 1.600 Verwaltungsmitarbeitern und weiß, welch unterschiedliche Voraussetzungen die Einzelnen mitbringen, vom Early Bird bis zum weniger digitalaffinen Anwender“, sagt der Geschäftsführer. Das helfe enorm, um die Schulungen erfolgreich durchführen zu können. Sein Fazit: „Wenn wir den Teilnehmern einen unmittelbaren Nutzen der neuen Technologie vermitteln können, sind Akzeptanz und die Bereitschaft zu lernen sehr groß, egal ob bei Jüngeren oder Älteren.“ Zu weiteren Kunden zählen Unternehmen, denen Komoß erklärt, wie man an öffentliche Aufträge kommt, was die Bedarfe sind und welche langfristigen Trends es gibt. In das Klagen über die öffentliche Verwaltung will Komoß nicht einstimmen. Er erinnert sich noch gut, dass er als Bezirksbürgermeister pro Jahr rund 800 Bewerbungen für 24 Ausbildungsplätze bekam. Die Ausgewählten habe einerseits das Angebot einer lebenslangen Perspektive gereizt, aber andererseits auch die Chance, für die Gesellschaft etwas Positives bewegen zu können. Bei der Berliner Verwaltungsreform sieht er die Chance, sie bis zum Ende der Legislaturperiode so erfolgreich auf den Weg zu bringen, dass Wirtschaft und Bürger den Nutzen erkennen. „Gut finde ich, dass die Reform laut Text neben den Bürgern auch die Unternehmen als gleichwertige Kunden der Verwaltung versteht. Das ist ja gar nicht so selbstverständlich.“ Im Schnitt habe ein Bürger nur ein halbes Mal im Jahr mit der Verwaltung zu tun, ein Unternehmen jedoch 17 Mal, beispielsweise um eine Genehmigung bei einem Amt einzuholen. „Wenn Verwaltung nicht funktioniert, ist also ein Unternehmen viel stärker betroffen als ein einzelner Bürger.“ ■ Ex-Bezirksbürger- meister Stefan Komoß gründete die 4K Concept Gesellschaft für Projektentwicklung mbH Gut vernetzt Der Unternehmer auf LinkedIn unter diesem QR-Code: Die 4K Concept Gesellschaft für Projektentwicklung mbH vermittelt neue Technologien an Behördenmitarbeiter. Wird der unmittelbare Nutzen klar, ist die Lernbereitschaft hoch Schulen für die Digitalakte FOTOS: CHRISTIAN KIELMANN, WHY DO BIRDS Berliner Wirtschaft 04 | 2025 Stefan Komoß Wenn Verwaltung nicht funktioniert, ist ein Unternehmen viel stärker betroffen als ein einzelner Bürger.

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