Wenn Peter Rost über die Verwaltungsreform in der Hauptstadt spricht, gehen ihm die Themen so schnell nicht aus. Das komplexe Vorhaben treibt ihn ständig um: im Job, als Wahlberliner und selbst im Ehrenamt bei der IHK Berlin. Seit 2019 ist Rost beim Berliner Cybersecurity-Unternehmen secunet Security Networks AG als Direktor Business Development für Behörden zuständig. Als Dienstleister berät secunet Kunden rund um IT-Sicherheit und hilft ihnen, IT- Sicherheitsmanagementsysteme angriffsresistent zu gestalten. Das Unternehmen baut aber auch IT-Sicherheitsprodukte. Kunden sind Behörden, Polizei, Verteidigungsindustrie, Bundeswehr, Anbieter Kritischer Infrastrukturen (KRITIS) ebenso wie der Gesundheitssektor. Secunet gehörte unter anderem zu den Spezialisten, die die Berliner Arztpraxen an die Telematikinfrastruktur angeschlossen haben. „Wir helfen, Deutschland vor einem Blackout zu schützen, angefangen von Kritischer Infrastruktur bis ins Regierungs- level“, bringt es der Manager auf den Punkt. Prominentestes Produkt von secunet ist wohl das rote Kryptotelefon, das auf dem Schreibtisch des Bundeskanzlers steht. Beschäftigt werden deutschlandweit rund 1.000 Mitarbeitende, davon 300 in der Hauptstadt. Neben der Bundesverwaltung gehört auch die Berliner Verwaltung zu den secunet-Kunden, darunter das IT-Dienstleistungszentrum Berlin (ITDZ Berlin), das Dienstleistungen im Bereich von Daten- und Telekommunikation anbietet und auch Rechenzentren betreibt. „Eine große Herausforderung ist die Konsolidierung der IT in den Berliner Behörden. Viele Behörden betreiben noch ihre eigene IT. „Da die IT aber immer komplexer wird, ist es mit Blick auf die Personalnot kaum noch zu leisten, die IT angriffsresistent zu machen“, so Rost. Die IT müsste vielmehr zentral zum Beispiel vom ITDZ gemanagt und abgesichert werden, statt in Insellösungen betrieben zu werden. Sie wäre dann sicherer und besser wartbar. „Dafür müsste aber sehr viel Überzeugungsarbeit geleistet werden, damit die Behörden auf externe Dienstleister vertrauen, statt sich im Haus selbst zu kümmern. Ein Selbstläufer ist das nicht“, weiß Rost. Konstruktiv im IHK-Netzwerk mitwirken Seit drei Jahren engagiert sich der gebürtige Hesse ehrenamtlich im Ausschuss Funktionierende Stadtverwaltung der IHK Berlin. 29 Mitglieder aus Unternehmen unterschiedlichster Branchen treffen sich regelmäßig, um sich untereinander sowie mit Verwaltungswissenschaftlern oder zum Beispiel mit Experten von Behörden auszutauschen. „Es kann nicht sein, dass wir nur die Verwaltung pauschal kritisieren. Ich sehe es auch als meine Aufgabe, konstruktiv an Verbesserungen mitzuwirken“, beschreibt Rost seine Motivation. Dieses große Netzwerk biete eine ideale Plattform, um Veränderungen anzustoßen und mitzugestalten. Auch als Bürger und Wahlberliner beschäftigt Rost die Berliner Verwaltung. Eigentlich sei die neue Berliner Regierung 2023 mit dem Versprechen angetreten, dass die Bürger binnen 14 Tagen einen Termin beim Amt bekommen. „Davon sind wir jedoch weit entfernt“ ärgert sich Rost. Positiv sei jedoch, dass man sich in Berlin seit Oktober vergangenen Jahres online ummelden könne. „Das könnte immerhin 500.000 Vorgänge jährlich aus den Bezirksämtern herausziehen, vorausgesetzt, die Bürger kennen und nutzen den neuen digitalen Service.“ Solche Neuerungen müssten deshalb noch besser in der breiten Öffentlichkeit kommuniziert werden. Kleine Anekdote zum Schluss: Aus Bayern werde ja gern mal in Richtung Berlin geschimpft, erzählt Peter Rost. Die Software für das Termin- vergabesystem der Berliner Verwaltung – nicht zu verwechseln mit der Terminvergabe selbst – habe sich allerdings so bewährt, dass selbst die bayerische Landeshauptstadt München diese mittlerweile einsetzt. ■ Die secunet Security Networks AG bringt mehr IT-Sicherheit in die Berliner Verwaltung. Konsolidierung verringert die Angriffsflächen Zentrale statt Insellösung Gut vernetzt Der QR-Code führt zum Manager auf LinkedIn: 300 Beschäftigte hat die secunet Security Networks AG in Berlin, 1.000 sind es bei dem IT-Sicherheitsunternehmen bundesweit. Verwaltungsreform | 23 Berliner Wirtschaft 04 | 2025 FOTO: CHRISTIAN KIELMANN
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