Berliner Wirtschaft April 2025

Mit seinem Unternehmen, der Bito AG, versorgt Joachim Spitzley Betriebe auf Baustellen mit Farben, Bodenbelägen oder Werkzeugen. Seinen Beobachtungen zufolge verlieren immer mehr Firmen das Interesse an der öffentlichen Auftragsvergabe. Das Land Berlin verzichtet damit auf viele leistungsfähige Auftragnehmer. Aber nicht nur deshalb hofft Spitzley, der auch stellvertretender Vorsitzender des IHK-Ausschusses „Funktionierende Stadtverwaltung“ ist, auf die Berliner Verwaltungsreform. Berliner Wirtschaft: Beteiligen Sie sich selbst an öffentlichen Ausschreibungen? Joachim Spitzley: Nur sehr selten, wenn zum Beispiel mal ein Gartenbauamt ein paar Töpfe Farbe braucht. Aber wir sind indirekt über Architekturbüros oder über die Wohnungswirtschaft an öffentlichen Ausschreibungen beteiligt. Also erleben wir die Problematiken sehr deutlich über unsere Kunden mit. Trotzdem versuchen wir immer mal wieder, Firmen für die Beteiligung an Vergabeverfahren zu motivieren. Aber in der Regel spüren wir, dass sie aufgrund der Komplexität mehr und mehr den Spaß daran verlieren. Warum sind öffentliche Aufträge derzeit so relativ uninteressant für Berliner Mittelständler? Weil öffentliche Ausschreibungen überladen sind mit Bedingungen, die von vielen nicht eingehalten werden können – speziell von kleineren Unternehmen, die gar nicht in der Lage sind, auch juristisch zu prüfen, was alles dahintersteckt. Insgesamt ist der Verwaltungsaufwand so groß, dass er in keinem Verhältnis zum Auftrag steht. Was muss sich Ihrer Ansicht nach ändern? Man kann vieles vereinfachen und entbürokratisieren. Die Verwaltungsreform, die Berlin jetzt anstrebt, sehe ich als einen zentralen Schlüssel dafür an. Ein Problem ist ja, dass wir unzählige Vergabestellen in Berlin haben, in denen einheitliches Recht unterschiedlich praktiziert wird. Es wäre sinnvoll, das neu zu strukturieren. Wie stellen Sie sich das vor? Indem man einfache Dinge zentral beschafft, vielleicht unterstützt durch KI und weitestgehend automatisierte Prozesse. An anderen Stellen können dann besonders hoch qualifizierte Mitarbeiter gebündelt werden, um über komplexe Themen zu entscheiden – aber alles auf der Basis von deutlich vereinfachten Beschaffungsregeln. Es gibt Bundesländer, in denen es besser läuft und an denen wir uns orientieren könnten. Welches Land ist für Sie ein gutes Beispiel? Baden-Württemberg – dort ist es gelungen, die Vergabeverfahren deutlich zu vereinfachen. Von 56 Seiten Vergaberegeln sind im Rahmen eines Bürokratie-Entlastungspakets jetzt nur noch zwölf Seiten übrig. Ich glaube, die Ausschreibungen in Berlin sind noch komplexer als die, die es früher in Baden-Württemberg gab. Ich wünsche mir, dass wir es als Vorteil unseres föderalen Systems verstehen, von solchen Best-Practice-Beispielen lernen zu können. „Öffentliche Ausschreibungen sind überladen“ Für Bito-Chef Joachim Spitzley sind Vergabeverfahren für eine Beteiligung kleinerer Firmen viel zu komplex geworden. Er hofft, dass sich das mit der Verwaltungsreform ändern wird von Michael Gneuss » Joachim Spitzley Vorstandsvorsitzender Seit 1981 arbeitet Joachim Spitzley in der von seinem Vater Rudolf gegründeten Bito AG. 1996 über- nahm er den Vorstandsvorsitz. Zuvor hatte er eine Ausbildung zum Versicherungskaufmann und ein BWL-Studium absolviert. FOTO: AMIN AKHTAR FOKUS | Verwaltungsreform | 26 Berliner Wirtschaft 04 | 2025

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