Berliner Wirtschaft April 2022

die Wirtschaft war aktiv und hat pragmatische Initiativen geschaffen, die die Arbeitsmarktinte- gration begleiten sollten. So kam es auch zur Gründung von Arrivo, die bis heute aktiv ist und geflüchtete Menschen beim Übergang in den Arbeitsmarkt unterstützt. Sie bestärkt auch Unternehmen darin, sie auszubilden. Zwar hat Corona den positiven Trend gebremst, aber heute gehen 500.000 Menschen aus Asylherkunftsländern in Deutschland einer Beschäftigung nach. Momentan gibt es eine der größten Fluchtbewegungen in Europa. Strukturen sind glücklicherweise bereits geschaffen. Klar ist auch, dass der wichtigste Schritt der Spracherwerb ist. Genau hier knüpft Arrivo an. Seit Mai 2021 hat das „Arrivo Berlin – Servicebüro für Unternehmen“ eine Kooperation mit dem Zertifikatsstudium „Deutsch imMehrsprachigkeitskontext“ der Humboldt-Universität zu Berlin. Der Studiengang richtet sich an Studierende, die sich auf den Erwerb und die Vermittlung der deutschen Sprache spezialisieren möchten. Im Rahmen eines Praktikums trainieren sie, sprachliche Lern- und Lehrprozesse zu planen, zu analysieren und erfolgreich zu gestalten. Das Servicebüro berät Berliner Unternehmen, die Geflüchtete ausbilden oder beschäftigen – also Personen, die erst seit wenigen Jahren Deutsch lernen. Diese Zusammenarbeit stellt für alle Beteiligten eine Win-win-Situation dar: Die Studierenden können ihr Erlerntes in Sprach-Tandems praxisnah anwenden, und die Unternehmen und ihre Beschäftigten profitieren von der individuellen Sprachförderung. Das zeigt u. a. das Beispiel des IT-Dienstleistungszentrums Berlin (ITDZ Berlin). Im Frühjahr 2020 meldete sich Aljona Awer, Ausbildungsleiterin im ITDZ Berlin, beim Servicebüro. Sie suchte für ihren Auszubildenden Firas Howari Unterstützung beim Spracherwerb. Howari, der ursprünglich aus Syrien stammt, hatte 2019 die Ausbildung zum Fachinformatiker Systemintegration angefangen und noch große Schwierigkeiten mit der deutschen Sprache. Ehrenamtliche unterstützen Geflüchtete Die Anfrage kam mitten im Corona-Lockdown, die Berufsschule fand nur im Distanzunterricht statt. Ein Sprachkurs am zuständigen OSZ für Informations- und Medizintechnik konnte wegen der Pandemielage auch Monate später nicht starten. Gerade für Geflüchtete eine belastende Situation. Das Servicebüro organisierte über das Landesprogramm Mentoring einen Ehrenamtlichen, der Howari in alltäglichen Dingen unterstützen konnte. Der Mentor war zudem Informatiker, sodass er auch fachlich eine große Hilfe war. „Das Mentoring-Programm ist eine super Sache, doch eine richtige Sprachförderung kann das natürlich nicht ersetzen“, so Nadja Türke, Projektleiterin des Servicebüros. „Die Kooperation mit dem Zertifikatsstudium war eine großartige Fügung, die auch in Nicht-Pandemie-Zeiten das Sprachlernangebot gut ergänzen wird.“ Individuelle Begleitung beim Spracherwerb Howari ist jetzt Teil eines Sprach-Tandems und trifft sich mit „seiner“ Studentin regelmäßig, um zumBeispiel mithilfe seines Berichtshefts grammatikalische Strukturen und schulische Aufgaben zu bearbeiten. Für die Zwischenprüfung im Herbst werden gemeinsam typische Aufgabenstellungen und deren Bedeutungen geübt. „Wir setzen die Sprach-Tandems vor allem für Teilnehmende einer ,Einstiegsqualifizierung‘ und – wie in Firas’ Fall – für Azubis in der Prüfungsvorbereitung ein“, erklärt Nadja Türke. Während der Einstiegsqualifizierung geht es vorrangig um eine erste Sprachdiagnose und individuelle Begleitung, die den sprachlichen Einstieg in der Berufsschule und im Betrieb erleichtern. In der Prüfungsvorbereitung gehen die Studierenden noch einmal auf die Besonderheiten der Prüfungssprache ein, es können Präsentationen oder spezielle Formulierungen einer Projektdokumentation besprochen werden – wie sie zum Beispiel bei den Fachinformatikern zur IHK-Abschlussprüfung verlangt wird. „Wir bilden mehrere Geflüchtete aus, aber bei der Sprachförderung kommen wir an unsere Grenzen. Wir sind daher glücklich, dass Firas jetzt so große Fortschritte macht“, sagt die ITDZ-Ausbildungsleiterin Aljona Awer. Inzwischen bestehen sieben Tandems für zehn Betriebe bzw. 16 Auszubildende und Teilnehmende einer Einstiegsqualifizierung. Das „Arrivo Berlin – Servicebüro für Unternehmen“ wird gefördert von der Senatsverwaltung für Integration, Arbeit und Soziales und ist Teil der Dachmarke „Arrivo Berlin“. Träger des Servicebüros ist der Verein zur Förderung der beruflichen Bildung Berlin, dessen Mitglieder die IHK Berlin, die Handwerkskammer Berlin, die Unternehmensverbände Berlin-Brandenburg und der Verband Freie Berufe Berlin sind. ■ Besser einsteigen Die Einstiegsqualifizierung ist ein Langzeitpraktikum, angelehnt an das erste Ausbildungsjahr. Sie wird neben der praktischen Arbeit im Betrieb absolviert. Arrivo Berlin – Servicebüro für Unternehmen Tel.: 030 / 80 49 33 00 info@arrivo- servicebuero.de Menschen aus Asylherkunftsländern gehen derzeit in Deutschland einer Beschäftigung nach. 500.000 Beratung zum Thema Integration Informationen zu Service-Angeboten unter: arrivoservicebuero.de 49 IHK BERLIN | BERLINER WIRTSCHAFT 04 | 2022 FACHKRÄFTE | Integration

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