Berliner Wirtschaft Januar 2022
setzung der Belegschaft. „Wir sind ein sehr diver- ses und interdisziplinäres Team“, unterstreicht die Gesellschafterin. Die Spitze sei neben ihr mit einem Mann besetzt, das Alter reiche von 20 bis Ende 50, beschäftigt seien Menschen unter- schiedlicher Herkunft, Ausbildung sowie sexu- eller Orientierung. Wie die Gesellschaft Ressourcen sparen und Produkte langfristig nutzen kann, beschäftigt auch Friedrich Köser. Events wie der Black Fri- day, die die Konsumenten mit Preisknüllern zu hemmungslosem Konsum verführen wollen, sind ihm deshalb ein Dorn im Auge. Im Dezem- ber 2020 gründete der 28-Jährige die Green- Circle GmbH, und wie der Firmenname ver- muten lässt, geht es bei seinem Geschäftsmodell um die Kreislaufwirtschaft. Sein Credo: „Wir haben als Gemeinschaft genug Dinge von weit her eingekauft, um damit einen Großteil unserer Bedürfnisse zu decken. Wir müssen es jetzt ein- fach machen, diese Gegenstände untereinander auszutauschen.“ Auf der PlattformGreenCircle präsentiert der Unternehmer lokale Gebrauchtwaren aller Art. Die holen die Mitarbeiter zu einer vereinbarten Zeit in wiederverwendbaren Boxen beimKunden zuhause ab, den Erlös teilen sich GreenCircle und Verkäufer. Unverkäufliches geht nach Rückspra- che als Spende etwa an den Kältebus oder andere soziale Organisationen. Auch gekaufte Produkte bringt Kösers Team persönlich in einem Elek- tro-Fahrzeug vorbei. 24 Stunden lang hat der Käufer ein Rückgaberecht. Auf Wunsch nimmt der Fahrer auch direkt wieder Waren zum Ver- kauf mit. „Anders als bei etablierten Plattformen, wie ebay-Kleinanzeigen, müssen unsere Kunden ihre Produkte nicht fotografieren, beschreiben, um den Preis feilschen und die Abholung orga- nisieren“, sagt Köser. Zu den Top-Sellern gehören Dekoartikel, eher ausgefallene Haushaltsgeräte wie Messgeräte für Pflanzenwachstum, Joghurtbereiter, Tofupressen sowie Sportgeräte. „Wir haben junge Kunden, die sich erstmals einrichten und Gebrauchtes für wenig Geld erstehen wollen.“ Zu den Zielgrup- pen des Unternehmens zählen junge Studenten, Berufstätige und junge Familien mit wenig Geld und wenig Zeit sowie Ältere mit wenig Muße und teils großen Beständen an Produkten, die sie selbst zwar nicht mehr, andere aber sehr gut gebrauchen können. Als neue Dienstleistung will das Berliner Start-up künftig das Leihen von Pro- dukten anbieten. Gegen eine Gebühr von zehn kulturen werden so weniger Dünger und Was- ser verbraucht, weil der Boden dank der Arten- vielfalt mehr Flüssigkeit speichern kann. „Unser Ziel ist es, dass auch andere Kunden den fair und nachhaltig angebauten Rohstoff beziehen“, sagt Preil, die mit Einhorn Products im vergangenen Jahr die Regenerative Rubber Initiative ins Leben rief, umWissen, Erfahrung und Ressourcen auch mit Wettbewerbern zu teilen. „Rohstoffanbau und Ökosystemschutz sind kein Gegensatz“, so Preil. Möglichst emissionsfrei durch die Stadt Wie wir uns heute und morgen fortbewegen, damit beschäftigt sich MarthaWanat bei der Ber- liner Bicicli Holding GmbH und der Mobilitäts- beratung Mond. Seit 2017 begleitet das Unterneh- men Immobilienentwickler, Unternehmen und Kommunen bei der urbanen und betrieblichen Mobilitätswende. „Die Pandemie hat wie ein Katalysator gewirkt. Nach unserem Start wur- den wir mit unseren Visionen von klimaneutra- len Mobilitätskonzepten noch als Exoten wahr- genommen“, erinnert sich die Gründerin. Heute arbeitet ihr Unternehmen, das aktuell 15 Mitarbei- tende beschäftigt, mit Kundenwie großen Immo- bilienentwicklern oder zumBeispiel dem Immo- bilienfinanzierer BerlinHyp zusammen. Für sie entwickelt Mond Konzepte, wie Beschäftigte möglichst emissionsfrei ihren Arbeitsplatz erreichen können, sei es mit dem Rad, dem E-Rad, dem Elektroroller, dem ÖPNV oder schlicht zu Fuß. Neben demConsulting bietet Bicicli für die Beschäftigten der Kunden Dienst- rad-Leasing-Programme sowie Fahrradflotten im Full-Service-Leasing an. Das Rad-Sortiment konfiguriert Bicicli als Händler entsprechend den Bedürfnissen der Auftraggeber. Zum ganzheitli- chen Service gehört auch der Aufbau der Mobili- tätsinfrastruktur, angefangen von Finanzierung, Versicherung, Parkplätzen, Ladesäulen über digi- tale Reservierungs-, Schließ- und Trackingsys- teme bis hin zur Wartung. Umweltfreundliches Handeln spielt nicht nur imGeschäftsmodell, sondern auch imGeschäfts- alltag eine wichtige Rolle. „Wir fahren in der Stadt alle ausschließlich mit dem Fahrrad, besitzen in der Firma vier Falträder, nutzen für längere Stre- cken den ÖPNV, bei Dienstreisen die Deutsche Bahn und für Transporte Kuriere“, sagt Wanat, die sich wie Linda Preil von Einhorn Products in der IHK Berlin im Netzwerk Unternehmensver- antwortung engagiert. Auf Nachhaltigkeit achtet die Geschäftsführung auch bei der Zusammen- Martha Wanat Die Pandemie hat wie ein Katalysator für klimaneutrale Mobilitätskon- zepte gewirkt. » 20% CO2-Emissionen hat die Berliner Wirtschaft in den vergangenen zehn Jahren eingespart. Und das bei einem Anstieg der Wirtschaftsleis- tung um 20 Prozent im selben Zeitraum. 74% der Verbraucher gaben bei einer Umfrage der Agentur Simon-Kucher & Partners an, ihr Konsumverhalten in den vergangenen fünf Jahren nachhaltiger ausgerichtet zu haben. 25 IHK BERLIN | BERLINER WIRTSCHAFT 01 | 2022 SCHWERPUNKT | Nachhaltige Wirtschaft
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