Berliner Wirtschaft Januar/Februar 2026

IHK und Senat wirken mit gezielter Berufsorientierung an immer mehr Schulen dem Fachkräftemangel entgegen von Yannick Walther Schule aus und „BOOM!“ weitet werden. Die Friedrich-Bergius-Schule in Friedenau, die Wilhelm-Bölsche-Schule in Friedrichshagen und die Gemeinschaftsschule auf dem Campus Rütli in Neukölln verfügen nun gemeinsam mit der Willy-Brandt-Schule über sogenannte BO-Managerinnen. Diese arbeiten gemeinsam mit den Schulteams daran, die berufliche Orientierung für Schulkinder wirksamer zu machen, um künftige Fachkräfte effektiv für den Berliner Arbeitsmarkt vorzubereiten. Dafür entwickeln sie maßgeschneiderte Konzepte mit den Schulen und helfen bei der Umsetzung. Sie unterstützen beim Aufbau von Kooperationen mit Unternehmen, um die Berufliche Orientierung möglichst praxisnah zu gestalten, Unterricht stärker mit der Berufswelt zu verzahnen und ein realistisches Bild von Chancen und Anforderungen des Arbeitsmarktes zu vermitteln. Zusätzlich messen sie die Wirkung der umgesetzten BO-Aktivitäten, um eine kontinuierliche, datengetriebene Verbesserung sicherzustellen. Erfolg auf lange Sicht An der Willy-Brandt-Schule hat dieses Vorgehen bereits geholfen: Drei Viertel der Schülerschaft stufen die durchgeführten Aktivitäten als hilfreich für die eigene Berufsorientierung ein. Rund 80 Prozent der Lehrkräfte halten die Maßnahmen für sinnvoll gestaltet. Acht neu geschaffene Kooperationen mit Berliner Unternehmen und außerschulischen Partnern haben geholfen, Schülerinnen und Schüler in direkten Kontakt mit möglichen zukünftigen Arbeitgebern zu bringen – zum Beispiel auf der im Projektverlauf entstandenen schuleigenen Karrieremesse. Die Einführung von BO-beauftragten Lehrkräften in jedem Jahrgang an der Willy-Brandt-Schule hat außerdem bewirkt, dass Berufsorientierung als Querschnittsthema im gesamten Kollegium verankert ist. Dennoch steht das Projekt erst am Anfang. Bei allen positiven Tendenzen muss klar sein: Veränderung braucht Zeit. Der Effekt, den bedarfsgerechte Berufsorientierung hat, ist erst dann seriös zu bemessen, wenn die Jugendlichen den Prozess ganz durchlaufen haben. Deswegen ist „BOOM!“ auf Nachhaltigkeit ausgelegt. Bis Ende 2029 sollen der Ansatz an weitere Schulen getragen und das Netzwerk beteiligter Berliner Unternehmen stetig ausgebaut werden. Aus diesem Zusammenwirken von Schule und Wirtschaft sollen für die Fachkräfte von morgen echte Perspektiven entstehen, um die Zukunft des Wirtschaftsstandorts Berlin langfristig abzusichern. ■ An der Willy-Brandt- Teamschule kommt die Unterstützung bei der Berufsorientierung bereits gut an Wie soll es weitergehen? Am Ende der 10. Klasse stehen viele Jugendliche vor der Frage: Schule oder Ausbildung? Und wenn eine Ausbildung, welche? Hier herrscht oft Unsicherheit, was auch die Zahlen widerspiegeln: 2025 blieben 39 Prozent der Ausbildungsplätze in Berlin unbesetzt. Betroffene Betriebe beklagen fehlende Bewerbungen und Defizite in der Ausbildungsreife. Das Kooperationsvorhaben „BOOM! – Berufsorientierung organisiert und modular“ der IHK Berlin und der Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Familie will jungen Menschen bei der Orientierung in ihrer Schulzeit helfen. Die Entscheidung für einen Berufsweg und die entsprechende Qualifikation sollen damit einfacher werden. Nachdem „BOOM!“ 2024 zunächst als Pilotprojekt an der Willy-Brandt-Teamschule im Berliner Wedding an den Start ging, konnte es inzwischen auf drei weitere Schulen ausgeKatharina Kotara, IHK-Expertin für Berufsorientierung Tel.: 030 / 315 10-425 katharina.kotara@ berlin.ihk.de FOTO: TOBIAS RÜCKER FACHKRÄFTE | Berufsorientierung | 50 Berliner Wirtschaft 01-02 | 2026

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