Erste Ausgabe von „Wild und Hund“ (1895) – die Jagdzeitschrift wird heute noch publiziert Paul Parey (Bild), erst Mitarbeiter, dann Nachfolger des Verlagsgründers Karl Ferdinand Wiegandt Das Verlagshaus in der Hedemannstraße wurde im Zweiten Weltkrieg stark zerstört. Das Bild zeigt die Ruine E inen „Koloß von internationalem Zuschnitt“ nannte die Presse den Verlag Paul Parey anlässlich seines 125. Geburtstages 1973, und der Berliner Bürgermeister Klaus Schütz attestierte in seiner Festansprache in der Kongresshalle, so alt würden „sonst nur eine Riesenschildkröte oder ein gut geführtes Unternehmen“. Allerdings sind Verlage meist nicht allgemein bekannt, wissenschaftliche Fachverlage erst recht nicht, weshalb der Name weniger geläufig sein dürfte als sein erfolgreichstes Produkt, die Jagdzeitschrift „Wild und Hund“, die seit 1895 erscheint, oder die Villa Parey, die als markanter Solitär der ehemaligen Villenbebauung am Tiergarten die Südfassade der Gemäldegalerie bestimmt. Der auf landwirtschaftliche und naturwissenschaftliche Themen spezialisierte Verlag wurde 1848 von Karl Ferdinand Wiegandt gegründet, der ihn 1867 seinem Mitarbeiter Paul Parey übergab. Parey baute das Verlagsprogramm aus, gab dem Betrieb seinen Namen und engagierte sich in den Fachverbänden des Buchhandels. Sein Versuch, die Buchpreisbindung auf Biegen und Brechen im späteren Börsenverein des Deutschen Buchhandels durchzudrücken, kostete ihn nach einem Jahr 1891 das Amt des Vorsitzenden. Zu einer Zeit, da etwa 50 Prozent der deutschen Erwerbstätigen in der Landwirtschaft tätig waren, wuchs der Verlag kräftig. Mit Pareys Tod ging der Verlag in die Hände von Arthur Georgi über, ebenfalls langjähriger Mitarbeiter. Dessen Bruder Rudolf organisierte den Neuanfang in Berlin, wo die Lagerbestände und das Verlagshaus in der Hedemannstraße unweit des Anhalter Bahnhofs weitestgehend zerstört waren. Von 3.000 Titeln vor dem Krieg waren 1945 nur noch 31 vorrätig, zum Beispiel über Fasanenzucht. Den hundertsen Geburtstag beging man mit Erbsensuppe, doch Ende des Jahres waren schon wieder 42 Menschen im Berliner Verlagshaus beschäftigt. Arthur Georgi jr. baute derweil ab 1950 ein zweites Haus in Hamburg auf. Er war es auch, der im Vorstand des Börsenvereins maßgeblich den Friedenspreis des Börsenvereins durchsetzte und ihn als Vorsitzer viermal verlieh, unter anderem zu Ehren Martin Bubers und Hermann Hesses. Auch Friedrich Georgi, der das Berliner Haus in zweiter Generation leitete, stand dem Börsenverein vor. 1974 wurde Hamburg Hauptsitz des Verlages, der 1981 mit 200 Mitarbeitern 2.500 lieferbare Titel und 32 Zeitschriften im Programm hatte. „Wild und Hund“ wird bis heute publiziert. ■ Landwirtschaft, Naturwissenschaften und Jagd: Der erfolgreiche Verlag Paul Parey traf den Nerv der Zeit. Berlin hat er verlassen, doch die Themen sind geblieben von Björn Berghausen (BBWA) Dauerläufer „Wild und Hund“ Zugang zum Wirtschaftsarchiv Die Bestände des Berlin-Brandenburgischen Wirtschaftsarchivs (BBWA) können nach Vereinbarung eingesehen werden. Kontakt und Infos: bb-wa.de FOTOS: BBWA Historie | 39 Berliner Wirtschaft 01-02 | 2026
RkJQdWJsaXNoZXIy MTk5NjE0NA==