Berliner Wirtschaft Januar/Februar 2026

fertigt seit 1990 im südindischen Bengaluru und eröffnete drei Jahre später ein Vertriebsbüro in Noida bei New Delhi, weil vor allem im Norden die Kunden sitzen. Gerb lagert Maschinen, Gleise, Turbinen und Gebäude elastisch auf Federelemente, um Schwingungen zu reduzieren. Schon vor 1990 hatten die Inder bei Gerb bestellt. Heute beschäftigt das Berliner Traditionsunternehmen mit weltweit mehr als 600 Mitarbeitenden 85 Menschen in Indien. Die größten Stärken des Landes aus Sicht von Geschäftsführer Christoph von Waldow: „Das Land ist sehr technikaffin, hat gut ausgebildete Mitarbeitende und wächst stark.“ Aufbruch auf der Schiene Doch mit dem schnellen Wachstum kann die Infrastruktur nicht Schritt halten. Trotz ohrenbetäubenden Gehupes und waghalsiger Manöver, bei denen aus vier kurzerhand sechs Spuren werden, gehören Megastaus zum Alltag. Wer 30 Kilometer in 60 Minuten schafft, liegt im guten Mittelfeld. Dass es künftig zumindest auf einigen Strecken schneller und komfortabler zugehen soll, dazu leistet auch die Deutsche Bahn einen Beitrag, die in Indien bereits mehr als 2.000 Mitarbeitende beschäftigt. Zwischen Delhi und Uttar Pradesh, dem bevölkerungsreichsten Bundesstaat des Landes, betreibt die Deutsche Bahn auf bald 82 Kilometern die erste Schnellbahn des Landes. Mit vollelektronischen Zugängen sind deren Bahnhöfe moderner als die deutschen. Metroprojekte in Großstädten wie Bhopal, Hyderabad, Bengaluru und Gurugram bei Delhi begleitet die Bahn mit Ingenieurdienstleistungen. In Bengaluru planen zudem rund 400 Ingenieure primär für den deutschen Markt Bahnprojekte wie Brücken und Infrastruktur. Die DB E.C.O. Group ist auf allen Kontinenten in derzeit rund 35 Ländern mit Ingenieur-, Beratungs- und Betriebsleistungen für Verkehrs- und Infrastrukturprojekte aktiv. „Dabei rangiert Indien weit vorn. Das Land ist für uns strategisch bedeutsam, weil wir schon seit vielen Jahren Schienenprojekte als Consultants begleiten und jetzt erfolgreich die Schnellbahn in Delhi betreiben“, betont Niko Warbanoff, Vorsitzender der Geschäftsleitung der Unternehmensgruppe der Deutschen Bahn. Der Zug aus Delhi erreicht Agra fast pünktlich. Ein Bordbistro gibt es übrigens nicht – es wird am Platz serviert. ■ Sami Bettaieb, IHK-Public-Affairs- Manager Außenwirtschaft Tel.: 030 / 315 10-241 sami.bettaieb@ berlin.ihk.de Berliner Wirtschaft: Herr Nöther, welche Bedeutung hat Indien heute und künftig für den Mittelstand? Jan Nöther: Viele Mittelständler empfinden den Markteintritt in Indien immer noch als herausfordernd. Die seit 2014 amtierende Regierung Modi hat zwar Strukturen rund um die Administration vereinfacht, etwa Anlaufstellen für Investoren geschaffen, aber die bürokratischen Herausforderungen bleiben groß. Deutschland genießt jedoch einen exzellenten Ruf, sodass ich angesichts des starken, technologieorientierten Wachstums mittelfristig gute Chancen sehe. In welchen Branchen gibt es künftig die besten Chancen? IT und künstliche Intelligenz, chemische Erzeugnisse, Maschinen, Automobilzulieferer, Textilien und alle Aktivitäten im Bereich Nachhaltigkeit. Außerdem eröffnen ausländische Unternehmen in Indien immer mehr Global Capability Center, die von hier aus für den globalen Markt in Forschung und Entwicklung aktiv sind. Wie groß ist das Interesse an Indien? Die Anfragen der Unternehmen und Delegationen aus Deutschland sind viel konkreter geworden. Auch hochrangige deutsche Politiker schenken Indien deutlich mehr Aufmerksamkeit als früher. Ebenso kommen führende indische Politiker regelmäßig nach Deutschland. Ihre Tipps für Newcomer? Man braucht einen langen Atem und die richtigen Ratgeber, die schon länger vor Ort sind und positive wie auch negative Erfahrungen offen teilen, um Fettnäpfchen zu vermeiden. Wichtig ist zudem die Wahl des richtigen Standorts entsprechend der verschiedenen Cluster, für IT/KI ist das zum Beispiel Bengaluru. „Wichtig ist die Wahl des Standorts“ Jan Nöther, Hauptgeschäftsführer der Indo German Chamber of Commerce, über Hürden und Möglichkeiten 50 Mitarbeitende beschäftigt der Berliner Betrieb Harbauer in Indien. Unter anderem sorgen sie mit Reinigungsanlagen für sauberes Trinkwasser am „Water Atm“. Jan Nöther, Brückenbauer für die deutsche Wirtschaft in Mumbai FOTOS: IGCC, HARBAUER BRANCHEN | Neue Märkte | 30 Berliner Wirtschaft 01-02 | 2026

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