lich. Wir brauchen zunächst eine funktionierende Stadt, das kann die Expo anstoßen. Auch dürfen wir nicht die 800-Jahr-Feier Berlins im Jahr 2037 vergessen. Welche Geschichte wollen wir da erzählen? Sie haben kürzlich mit Dimitri Kerkentzes, dem Generalsekretär des BIE, geredet, als er in Berlin war. Wie steht er zu einer Bewerbung Berlins? Er würde sich sehr freuen, wenn es wieder eine Bewerbung aus Europa, insbesondere aus Deutschland, gäbe. Vor allem würde er sich darüber freuen, wenn Expos wieder Zukunft in der Realität zeigen. Soll heißen: Für die letzten Expos wurden Flächen in der Wüste oder auf künstlichen Inseln hergerichtet. In Berlin soll die Stadt selbst mit uns allen zur Expo werden. Das ist ohnehin viel spannender für Besucher, aber noch viel motivierender für uns alle, wenn wir in all unseren verschiedenen Projekten und Engagements an einer gemeinsamen Sache arbeiten können. Im Jahr 2000 fand die Expo in Hannover statt. Heute wird Kritik aufgrund des hohen finanziellen Defizits und misslungener Nachnutzungen der Pavillons geäußert. Schreckt das Beispiel ab? Die Expo 2000 in Hannover hatte ein ganz anderes Ziel, und zwar die Erweiterung des Messegeländes sowie die Entwicklung Mitteldeutschlands nach der Wiedervereinigung. Das hat auch funktioniert. Die Hannoveraner sind zu Recht sehr stolz auf ihre Entwicklung in den letzten 25 Jahren. Hannover hat auch aufgrund der Expo unter anderem den bestausgebauten ÖPNV Deutschlands und hat insgesamt auch an Bedeutung wesentlich gewonnen. Außerdem haben wir ein vollständig anderes Konzept, das unsere Stadt vor allem durch uns alle zum Funktionieren bringen soll und sich für uns nur rechnen kann. Warum? Hannover hat das Ziel verfolgt, das Messegelände und die Infrastruktur dafür auszubauen. Berlins Expo-Konzept ist das Gegenteil: Wir sind eine Bottom-up-Bewegung, wir als Stadtgesellschaft fordern unsere Zukunftsfähigkeit insgesamt ein. In Hannover war es eine politische Entscheidung, in Berlin bringen wir das Konzept als Zivilgesellschaft voran und haben den Anspruch, den Großteil der Investitionen selbst zu finanzieren. Die Expo 2035 trägt sich selbst. Wir rechnen mit Einnahmen von 2,1 Milliarden Euro durch den Verkauf von Tickets und Vermarktungsrechten. Die Expos in Mailand oder jetzt in Osaka waren ähnlich erfolgreich. Wie wollen Sie eine sinnvolle Nachnutzung der Pavillons sicherstellen? Wir wollen eigentlich gar keine Expo bauen, sondern endlich die vielen vorhandenen Pläne und Projekte umsetzen, also die Expo nur als Beschleuniger nutzen – zum Beispiel die ohnehin in Tegel geplante Bebauung durch die Expo beschleunigen und finanzieren oder zum Beispiel dem ICC durch die Expo zu neuem Leben verhelfen. Es steht von vornherein die anschließende Nutzung der Pavillons als ProdukDaniel-Jan Girl will, dass die Berliner wieder gemeinsam Lust auf Zukunft in ihrer Stadt bekommen Die Expo 2035 trägt sich selbst. Wir rechnen mit Einnahmen von 2,1 Milliarden Euro. FOTO: AMIN AKHTAR Berliner Wirtschaft 01-02 | 2026 FOKUS | Expo 2035 | 26
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