Berliner Wirtschaft Januar/Februar 2026

Und der Business Case? Eine eigens für die Expo 2035 erstellte PwC-Kalkulation geht von 30 Millionen Besuchern in sechs Monaten aus, einem Tagesticket für 39 Euro (ermäßigt 10) und einer Saisonkarte für zehn Besuche für 174 Euro. Allein über Tickets wird eine Mrd. Euro an Einnahmen erwartet. Insgesamt liegen Einnahmen und direkte Ausgaben laut der Kalkulation von PwC jeweils bei rund 2,1 Mrd. Euro. Für Berlin ergibt sich aus einer Expo ein Plus bei der Wirtschaftskraft von fast zehn Mrd. Euro. Genannt werden zudem Wachstumseffekte von 22 Mrd. Euro für Deutschland, mehr als drei Mrd. Euro für den ÖPNV-Ausbau, aber auch ein Vorfinanzierungsbedarf von fast 1,2 Mrd. Euro. PwC orientiert sich bei der Kalkulation an früheren Expo-Ausgaben in Shanghai (2010), Mailand (2015) und Dubai (2020). Expo nach internationalen Spielregeln Ob daraus eine Bewerbung wird, entscheidet am Ende aber nicht nur der finanzielle Vorteil oder die Begeisterung, sondern auch die internationalen Spielregeln. Zuständig dafür ist das Bureau International des Expositions (BIE). Dimitri Kerkentzes, Generalsekretär des BIE, macht deutlich, worauf es ankommt: „Deutschland mit seiner unverwechselbaren Geschichte, Kultur, Wissenschaft und künstlerischen Exzellenz ist immer ein natürlicher und ernst zu nehmender Partner, um sich für eine Expo zu bewerben.“ Fest steht für ihn: Eine Bewerbung ist dann stark, wenn sie eine gemeinsame Vision formuliert, die von der Begeisterung der Stadtgesellschaft getragen wird. „Kurz gesagt: Die Berliner Bürger müssen auch eine Expo wollen“, so Kerkentzes. „Alles andere wird sich finden.“ Dass eine Kandidatur formal nur von einer nationalen Regierung eingereicht werden kann – und im Berliner Fall frühestens ab Sommer 2026 –, setzt dem Zeitplan eine klare Klammer. Mit den drängenden Fragen unserer Zeit beschäftigt sich auch in diesem Jahr die IHK Berlin. Wie bleiben Metropolen widerstandsfähig angesichts Klimawandel, Verkehrszunahme, Wohnungsnot und Flächenknappheit? Welche Visionen treiben die Städte von morgen – und wo ist Berlin selbst Vorreiter? Was lässt sich von internationalen Best Practices lernen? Beim Stadt- entwicklungskongress 2026 der IHK Berlin am 28. Januar 2026 diskutierte Politik, Wirtschaft und Stadtgesellschaft im Ludwig Erhard Haus über Lösungen für Verkehr, Wohnen und Stadtentwicklung. Das Event markiert den Start in ein Jahr, in dem die IHK Berlin mit vielen weiteren Veranstaltungen Zukunftsthemen vorantreibt. Wenn aus den Diskussionen der nächsten Monate konkrete Pilotprojekte werden, kann Berlin schon vor 2035 beweisen, wie eine Zukunftsdekade funktioniert – Schritt für Schritt, Kiez für Kiez. ■ 1,2 Mrd. Euro Vorfinanzierungs- bedarf hätte die Expo nach Berechnungen von PwC. 10 Mrd. Euro Plus bei der Wirtschaftskraft brächte eine Expo Berlin. Sebastian Stietzel Präsident IHK Berlin Statt punktueller Leuchttürme braucht Berlin einen langfristigen Entwicklungspfad. Peter Rau, IHK-Public-Affairs- Manager Stadtentwicklung Tel.: 030 / 315 10-608 peter.rau@berlin.ihk.de Zukunft gestalten Die IHK Berlin ist dabei, wenn es darum geht, Innovationen zu fördern und Potenziale zu erschließen. Initiativen und Termine unter: ihk.de/berlin/weltmetropole-berlin Expo 2035 | 19 Berliner Wirtschaft 01-02 | 2026

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