Berliner Wirtschaft Januar/Februar 2026

Und er macht klar, warum die Expo dafür mehr sein kann als ein Etikett: „Die Expo 2035 ist der Rahmen, in dem dieses Narrativ entstehen kann.“ Wie viel Wucht so ein Rahmen entfalten kann, zeigte zuletzt Osaka. Die Expo 2025 kam laut den japanischen Veranstaltern auf mehr als 29 Millionen Besuche, finanziell rechnet die zuständige Organisation mit einem Überschuss von bis zu 201 Mio. Euro. Sebastian Stietzel zieht daraus eine klare Schlussfolgerung. „Die Expo in Osaka hat eindrucksvoll gezeigt, welches Potenzial eine Weltausstellung für eine Metropole entfalten kann: Sie ist nicht nur ein internationales Schaufenster für Innovationen, sondern ein Motor für Stadtentwicklung, Infrastruktur, Wirtschaft und gesellschaftlichen Zusammenhalt“, betont der Präsident der IHK Berlin. „Genau das braucht Berlin.“ Zukunftsdekade als strategischer Rahmen Der Berliner Ansatz setzt deshalb nicht nur auf ein Jahr, sondern auf eine ganze Zukunftsdekade. In dieser Logik wird die Expo zum Fixpunkt in einer Serie von Anlässen, die Investitionen, Bauvorhaben und internationale Aufmerksamkeit bündeln: IBA 2034–2037, Expo 2035, 800-Jahr-Feier Berlins (2037) und nicht zuletzt Olympische und Paralympische Spiele 2040 oder 2044. Stietzel beschreibt den Nutzen dieses Langlaufs so: „Eine Zukunftsdekade setzt einen strategischen Rahmen, der Investitionen bündelt, Planungssicherheit schafft und nachhaltige Wertschöpfung ermöglicht.“ Und ergänzt: „Internationale Großveranstaltungen können Fixpunkte einer solchen Dekade sein – als Zielmarken, auf die Infrastrukturprojekte, Innovationsprogramme, Fachkräfteentwicklung und internationale Partnerschaften ausgerichtet werden.“ Für Unternehmen bedeutet so ein Szenario verlässliche Perspektiven, bessere Wachstumsbedingungen und für die Stadt insgesamt eine klare wirtschaftspolitische Vision. „Statt punktueller Leuchttürme braucht Berlin einen langfristigen Entwicklungspfad“, ist der IHK-Präsident überzeugt. Auch die Medien-, Kreativ- und Digitalwirtschaft sieht den Reiz in der Kette der Ereignisse. Jeannine Koch vom Medianet Berlinbrandenburg sagt: „All die Veranstaltungen im Zeitraum dieser Zukunftsdekade wirken in ihrer Gesamtheit wie Meilensteine für unsere Hauptstadt. Ich betrachte sie als Einladung, das Morgen dieser Stadt bewusst zu gestalten, die Region nachhaltig weiterzuentwickeln und ein neues Berlin-Wir-Gefühl zu kreieren.“ Und sie bringt den Vorteil für Branchen wie ihre auf eine praktische Formel: „Für die Wirtschaft, insbesondere für kreative, digitale und mediale Branchen, bedeutet das planbare Auftragsvolumen, langfristige Netzwerke und Innovationsimpulse über viele Jahre hinweg.“ Damit aus der Vision Weltausstellung konkrete Stadträume werden, wird bereits über eine Architektur der Orte nachgedacht: Expo-Hauptgelände und -Satelliten, Kiez-Labs sowie Global Solutions Hub als digitale Plattform – also Berlin als Stadt-Pavillon plus virtuelle Expo-Ebene. Für das Hauptgelände sind das Areal des Ex-Airports Tegel, Flächen am BER und der CleanTech Business Park Marzahn im Gespräch. Als Satelliten werden ICC, Flughafen Tempelhof und Funkhaus Nalepastraße genannt, ergänzt um mehrere Hundert kleine Pavillons in der ganzen Stadt. Für Rudi Scheuermann, Berliner Büroleiter des internationalen Planungsbüros Arup, ist klar: „Es muss immer das Ziel sein, dass die Bevölkerung am Ende einen Nutzen hat.“ Fachleute von Arup befassen sich seit Langem intensiv mit der Infrastruktur Olympischer Spiele und ihrer Nachnutzung, unter anderem bei den Sommerspielen 2012 in London. Auch für die Spiele 2032 im australischen Brisbane sind die Planer beauftragt. Gerade auf dem rund 500 Hektar großen Areal in Tegel mit der seit fast 15 Jahren geplanten Urban Tech Republic, dem Schumacher-Quartier und einem Landschaftsschutzgebiet sieht Scheuermann eine hervorragende Grundlage für ein Expo-Hauptgelände, inklusive Plaza und zentralen Länderpavillons, weil es schon eine Menge Vorarbeit gibt. „Auch die Synergieeffekte für weitere Großveranstaltungen wie die Olympischen Spiele sind auf dem Tegel-Areal im Norden Berlins sehr, sehr groß.“ Dimitri Kerkentzes Generalsekretär Bureau International des Expositions Die Berliner Bürger müssen eine Expo wollen. Alles andere wird sich finden. Die ganze Stadt eine Expo: Hunderte von Pavillons sollen die Weltausstellung dezentral gestalten 30 Mio. Besucher werden laut einer Prognose von PwC zur sechsmonatigen Weltausstellung in Berlin erwartet. FOTOS: EXPO 2035 BERLIN, IMAGO/KYODO NEWS, IHK BERLIN/AMIN AKHTAR FOKUS | Expo 2035 | 18 Berliner Wirtschaft 01-02 | 2026

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