Berliner Wirtschaft Januar/Februar 2026

Die Wirtschaft fordert von der Politik, auch beim Kampf ums Abgeordnetenhaus Maßnahmen für Wachstum und Wohlstand nicht zu vergessen von Holger Lunau Erste Wahl ist der Standort Wer nach der Wahl zum neuen Berliner Abgeordnetenhaus im September regieren könnte, ist Umfragen zu Folge völlig offen. Deshalb ist ein ausufernder Wahlkampf zu befürchten, bei dem Sachthemen nur die zweite Geige spielen. Aus diesem Grund haben 18 Kammern und Verbände zum Jahresende 2025 in einem gemeinsamen Appell die Politik aufgefordert, Maßnahmen für Wachstum und Wohlstand auf den Weg zu bringen, statt monatelang zu streiten. Als zentrale Handlungsfelder werden Verwaltung, Stadtentwicklung, Infrastruktur und Innovation genannt. Berlin mit seiner starken Industrie- und Wissenschaftslandschaft und einer dynamischen Gründerszene verfüge über beste Voraussetzungen als innovativer und zukunftsfester Wirtschaftsstandort, so die unterzeichnenden Verbände. Branchen wie Tourismus, Gastgewerbe, Handel und Kultur sorgten für Lebensqualität und Hunderttausende Arbeitsplätze. Allerdings würden diese Stärken durch überbordende Bürokratie, langwierige Verfahren, Vergesellschaftungsdebatten und zusätzliche Belastungen wie eine Ausbildungsplatzabgabe ausgebremst. So fordert die Wirtschaft, das Landesorganisationsgesetz konsequent umzusetzen und den Bürokratieabbau als Daueraufgabe mit verbindlichen Zielen gesetzlich zu verankern. Gesetzesentwürfe müssten vor Beschluss auf Bürokratiekosten geprüft werden. Zudem müsse wie im Nachbarland Brandenburg das Vergaberecht modernisiert werden. Bei der Stadtentwicklung braucht Berlin eine Politik, die Wohnen und Arbeiten zusammendenkt, Gewerbe- und Industrieflächen sichert und Planungs- und Genehmigungsprozesse vereinfacht und beschleunigt, heißt es. Enteignungsdebatten müssten beendet werden. Es sei stattdessen ein konsequenter Neubau-Fokus notwendig. Außerdem brauche Berlin eine Fachkräftestrategie, die Bildung, Zuwanderung und Qualifizierung systematisch verbindet und das Matching auf dem Arbeitsmarkt insgesamt verbessert. Erwartet werden wirksame Maßnahmen zur Stärkung der dualen Ausbildung und eine bessere Willkommens- und Anerkennungskultur für internationale Fachkräfte. Als weiteren Schwerpunkt nennt der Appell die Verkehrsinfrastruktur. Staus, marode Brücken, ein überlasteter ÖPNV und unzureichend angebundene Gewerbestandorte bremsten Berlin aus. Ein investitionsstarker Wirtschaftsstandort brauche zuverlässige Erreichbarkeit – innerstädtisch, in die Region und international. ■ Die Wahl im September ist wichtig, nur darf die Politik mit Blick darauf nicht ihre Aufgaben vernachlässigen Position Der Appell der Verbände und Kammern auf der IHK-Website unter: ihk.de/berlin/pm-standortpolitik FOTO: IMAGO/CHRISTIAN DITSCH AGENDA | Standortpolitik | 14 Berliner Wirtschaft 01-02 | 2026

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