4 5 Ideen für die nachhaltige Wirtschaftsmetropole von morgen heit. Durch langwierige Genehmigungsverfahren werden Innovationen deutlich teurer als notwendig – ein wesentlicher Wettbewerbsnachteil. Innovationen haben außerdem immer auch ein Haltbarkeitsdatum, das bei zu langen Prüfprozessen schnell erreicht wird. Daher sollten in Reallaboren wie auf den „100 Metern Zukunft“ in der Fasanenstraße sämtliche bürokratische Hürden fallen, wenn Lösungen und Produkte in den Transformationsprozess einzahlen. Anbieten würde sich eine Indexierung, bei der Anträge immer nach Erfüllung bestimmter Punkte automatisch Genehmigung finden. Der Nachhaltigkeitsindex besteht aus einigen wenigen Bewertungskriterien, deren Erfüllung bei der Antragsstellung nachgewiesen und bewertet werden muss. Je höher das Scoring, desto schneller und einfacher die Genehmigung. Ab einem Index von mehr als 80 Prozent können sämtliche Genehmigungserfordernisse entfallen. Durch die überschaubare Größe des Reallabors wären Risiken minimal, der Erkenntnisgewinn durch Umsetzung und Anwendung hingegen sehr groß. Die Bewertung könnte durch die Verwaltung oder aber auch im Auftrag durch die IHK erfolgen. DARF NACHHALTIGKEIT DAS GÜNSTIGSTE SEIN ODER MUSS ES DAS NICHT SOGAR? Neben der Umsetzungsgeschwindigkeit und Anwendung von Produktinnovationen und Lösungen, stellt sich die große Frage nach den Kosten und dem Preis von nachhaltigen Produkten. Dürfen sie überhaupt günstig sein oder müssen sie es am Ende nicht sogar?! Denn Kaufentscheidungen und Aufträge hängen häufig vom Preis ab. Gleichzeitig ist es eine ethische Frage, ob die nachhaltige Qualität und somit der anzunehmende höhere Aufwand sich nicht auch im Preis abbilden muss. Wenn Nachhaltigkeit keine Randerscheinung sein soll, sondern in der Breite der Gesellschaft und Wirtschaft gelebt und umgesetzt wird, benötigt es auch zügig eine Lösung zur Preisentstehung. Nachhaltigkeit wird vor allem durch erfolgreich umgesetzte innovative Geschäftsmodelle und Produkte mutiger Menschen erreicht werden, die schnell in der Mitte unseres Alltags Anwendung finden. Dabei sind das Vertrauen der Politik und entsprechende Freiheiten für unternehmerisches Handeln Grundvoraussetzung. Wir müssen groß denken und dabei zu Beginn klein und schnell handeln. Aus Fehlern schnell lernen zu dürfen, stellt dabei ein Paradigmenwechsel in Gesellschaft und vor allem auch in Politik und Verwaltung dar. Denn so werden möglichst viele an der Gestaltung unserer gemeinsamen Zukunft mitwirken und aus den schnell gewonnenen Erkenntnissen einen entscheidenden Wettbewerbsvorteil generieren. Damit wir auch in Zukunft einer der weltweit attraktivsten Standorte bleiben: gemeinsam, gesund und glücklich. Die Klammer oder das Dach der drei Expertenteams bildet daher ein weiteres Team „Nachhaltige Wirtschaftsmetropole“, das den Rahmen für die Perspektive unserer Stadt im Kontext der notwendigen Transformation diskutiert hat. Berlin hat jetzt die einmalige Chance, aus den Erfahrungen der Vergangenheit, aus dem Engagement der Wirtschaft und Wissenschaft, aus der Leidenschaft der Stadtgesellschaft und aus der Verbundenheit der Berlinerinnen und Berliner, die Stadt des Aufbruchs und Umbruchs zu werden. Diese Chance wollen und müssen wir jetzt zusammen nutzen. BERLIN ERFOLGREICH TRANSFORMIEREN: VOM KLEINEN REALLABOR ZUM WELTWEITEN LEUCHTTURM DER NACHHALTIGKEIT Es braucht beides von Anfang an: eine große Vision für unsere Stadt, genauso wie erste kleine Reallabore, in denen innovative Ideen unbürokratisch ausprobiert und durch Lernen und Verbesserungsprozesse zu skalierbaren Lösungen und Produkten heranwachsen können. Wichtig ist, dass diese Reallabore nicht außerhalb der Stadt an künstlichen Orten stattfinden, sondern inmitten unseres Lebensraums. Es ist entscheidend, dass neben Innovation auch das Partizipationsprinzip unserer demokratischen Gesellschaft Anwendung findet. Nur so können entstehende Lösungen auch skalierbar in anderen Städten der Welt zum Einsatz kommen. Nur so kann Berlin Leuchtturm der nachhaltigen Ideen und Produkte werden und eine neue Form des Wirtschaftens und der Wirtschaft schaffen. Ein künftiges, CO2-neutrales Berlin, das durch neue Technologien und Produkte erreicht wird, sollte sich innerhalb der ersten nachhaltigen Weltausstellung im Jahr 2035 der Welt präsentieren und den erfolgreich abgeschlossenen Transformationsprozess dokumentieren. So kann dauerhaft Wertschöpfung in der Stadt gehalten und durch Wissenstransfer und Produktvermarktung Wohlstand gesichert werden. Um dieses Ziel erreichen zu können, bietet sich ein pragmatisch einfacher Start an, bei dem z.B. durch ein Projekt „100 Meter Zukunft“, die Fasanenstraße zu einem der ersten Reallabore Berlins werden könnte. Nachhaltige Ideen und Produkte würden hier durch die Bürgerinnen und Bürger sowie die Berliner Wirtschaft ohne langwierige Prüfverfahren und bürokratischen Auflagen gemeinsam erprobt und umgesetzt werden. Dabei wären die Risiken für Verwaltung und Politik äußerst niedrig, da nur in diesem kleinen Bereich Änderungen und Umsetzungen möglich wären. Das Reallabor soll eine neue Erprobungs- und Fehlerkultur ermöglichen. Sehr schnell wird dadurch klar werden, was wie funktioniert und ob durch die Umsetzung der Innovationen und Produkte, die gewünschte Geschwindigkeit und vor allem die gewünschten Ziele auch wirklich erreicht werden. Diese gewonnen Erkenntnisse und neuen Möglichkeiten können dann in weiteren Reallaboren zur Anwendung kommen, so dass aus den ersten „100 Metern Zukunft“ wohlmöglich zeitnah 200 Meter und danach 1.000 Meter und mehr entstehen können. Ziel ist ein ganzheitlicher Transformationsprozess und die Entwicklung Berlins zu einer Metropole der Nachhaltigkeit. BESCHLEUNIGUNG DER UMSETZUNG INNERHALB DES REALLABORS DURCH EINE NACHHALTIGKEITSINDEXIERUNG Zeit ist Geld, gerade im Hinblick auf die Innovationszyklen und einer notwendigen Planungs- und somit KostensicherDaniel-Jan Girl PRÄSIDENT DER IHK BERLIN
RkJQdWJsaXNoZXIy ODUxMjI4