Berliner Wirtschaft 10/2019
B ei so viel Lob konnte der Arbeitstag von Dilek Kalayci eigentlich nur blendend beginnen. Einen ausdrücklichen Dank für die konstruktive Zusammenarbeit richtete IHK-Präsidentin Dr. Beatrice Kramm zum Auftakt des Wirtschaftspolitischen Früh- stücks der IHK Berlin an die Berliner Senatorin für Gesundheit, Pflege und Gleichstellung. Sie sei pragmatisch und zielorientiert und sehe dieWirt- schaft als Partner bei der Bewältigung aktueller Probleme und beziehe sie ganz selbstverständ- lich bei der Lösungssuche ein. Das sei bedauer- licherweise keine Selbstverständlichkeit in die- ser Stadt. Dank Kalaycis ideologiefreier, ziel- und gemeinwohlorientierter Politik arbeiteten die Unternehmen seit Jahren eng mit der SPD-Poli- tikerin zusammen, etwa bei der Integration von Geflüchteten ebenso wie bei Kampagnen zur Gleichstellung der Frau wie der 2018 neu aufge- legten „Gleichstellung gewinnt“ von Senatsver- waltung, IHK und Handwerkskammer. An weiteren großen Herausforderungen fehlt es laut Kramm nicht. Dazu gehörten der Pflege- mangel bei älter werdender Bevölkerung sowie die Sicherung Berlins als führender Gesundheits- standort Deutschlands, sagte sie in ihrer Begrü- ßung beimWirtschaftspolitischen Frühstück, das wegen Umbauarbeiten erstmals nicht im Ludwig Erhard Haus stattfand, sondern im benachbarten Stilwerk an der Kantstraße. Erfolgreicher Gesundheitsstandort Berlin Kalayci betonte in ihremVortrag, wie unerwartet gut sich der Gesundheitsstandort Berlin entwi- ckelt habe. „Das hätte vor zehn bis 15 Jahren nie- mand für möglich gehalten.“ Pharma-, Medizin- und Biotechunternehmen, eine lebendige Start- up-Szene sowie Krankenhäuser, Pflegedienste, Reha-Kliniken und Universitäten trügen bereits 13 Prozent zur Wertschöpfung der Stadt bei. In der Hauptstadtregion arbeitenmehr als 370.000 Men- schen imBereich der Gesundheitswirtschaft, die fast 22.000 Unternehmen erwirtschaften 27 Mrd. Euro Umsatz. Da die Bevölkerung älter werde und die Stadt gleichzeitig wachse, müsse Berlin aber den steigenden Bedarf an Fachkräften bewälti- gen. Das will die Gesundheitssenatorin mit dem „Berliner Pakt für die Pflege“ erreichen, für den sie Krankenkassen, Arbeitgeber- und Arbeitneh- merverbände an einen Tisch geholt hat. Pflege- kräfte sollen besser vergütet werden, und die Zahl der Auszubildenden in der Pflege in Berlin soll deutlich steigen. Dilek Kalayci, Berliner Gesundheitssenatorin Seit ihrem dritten Lebensjahr in Berlin, studierte die in der Tür- kei geborene Politikerin an der TU Wirtschafts- mathematik. Dem Berliner Senat gehört sie seit 2011 an, zuerst als Senatorin für Arbeit, Frauen und Integration, seit Dezember 2016 ist sie Senatorin für Gesundheit, Pflege und Gleichstellung Bei dem, was der Senat gerade so treibt, hat die Wirtschaft das Gefühl, er spielt gegen sie. Jan Eder IHK-Hauptgeschäfts- führer Wenn Zehntau- sende Pfleger fehlen und die Menschen immer älter werden, ist das ein großes gesamtgesell- schaftliches Problem. Dr. Beatrice Kramm Präsidentin der IHK Berlin » FOTOS: CHRISTIAN KRUPPA 11 BERLINER WIRTSCHAFT 10 | 2019 AGENDA | Wirtschaftspolitisches Frühstück
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